„Ein Handwerker ist nicht ersetzbar“

Das Handwerk entwickelt sich stetig weiter und bietet jungen Menschen hervorragende Karrierechancen. Handwerkskammerpräsident Joachim Krimmer und Dr. Tobias Mehlich sprechen im Interview über die Zukunft des Handwerks.
  • Der Präsident der Handwerkskammer Ulm, Joachim Krimmer (li.) und Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich. Foto: HWK Ulm

Ulm. Mit #innovate startet das Handwerk bei der Digitalisierung durch und nutzt die elektronischen Möglichkeiten für sich. Kaum eine andere Branche kann besser die Verbindung zwischen Moderne und Tradition knüpfen und dabei die Zukunftsthemen unserer Gesellschaft vorantreiben, wie im Interview mit dem Präsidenten der Handwerkskammer Ulm, Joachim Krimmer, und dem Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich deutlich wird.

Was bedeutet #innovate für die Kunden?

Krimmer: Der technische Fortschritt hat unseren Alltag stark verändert. Modern ist daher auch die Technik, die uns unterstützt und den Alltag erleichtert. Wir Handwerker setzen die unterschiedlichen Möglichkeiten beispielsweise im Keller des Kunden um – zum Nutzen für jeden Einzelnen. Mit den sich verändernden Anforderungen verändern sich auch unsere Handwerksberufe über die Jahrzehnte.
Sie passen sich der Dynamik der Zeit an und entwickeln sich fortwährend, so wie jeder von uns in seinem Berufsleben: Tradition als Basis, Zukunft als Vorbild.

Wir wirkt sich das auf die Handwerker selbst aus?

Mehlich: Handwerker sind Profis. Sie haben ihr Gewerk, das Material, die Verarbeitung von Grund auf gelernt. Auf dieser Basis können sie sich auch auf neue, anspruchsvolle Kundenwünsche einstellen, genauso wie auf neue Technologien.
Das Handwerk erkennt dabei das Potenzial der Digitalisierung und nutzt sie zu seinem Vorteil. Berufe werden daran angepasst, zum Beispiel Smart-Home-Vernetzung. Jede Handwerkerin und jeder Handwerker denkt mit und bringt so neue Impulse in sein Handwerk ein. So entwickeln sich das Handwerk und die einzelnen Berufe ständig weiter.

Die jungen Menschen haben die Perspektiven im Handwerk erkannt.

Dr. Tobias Mehlich,
Hauptgeschäftsführer

Wie wappnet sich das Handwerk für die Zukunft?

Mehlich: Um die moderne und zugleich steigende Auftragslage bewältigen zu können, braucht das Handwerk qualifizierte Fachkräfte. Denn die sind oft die Kapazitätsgrenze in einem Betrieb. Dabei unterstützt die Handwerkskammer ihre Mitgliedsbetriebe beispielsweise mit frühzeitiger Berufsorientierung für junge Menschen oder durch Bildungspartnerschaften zwischen allgemeinbildenden Schulen und Handwerksbetrieben – ganz egal ob Gymnasium oder Werkrealschule. Das ist ein Grund, warum die Handwerksbetriebe in unserem Kammergebiet dieses Jahr zum sechsten Mal in Folge mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk begeistern konnten.

Was fasziniert die Jugendlichen am Handwerk?

Mehlich: Die jungen Menschen haben die Perspektiven im Handwerk erkannt. Sie sehen darin – zu Recht – den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft mit unterschiedlichen Karrieremöglichkeiten. Um sie langfristig in den Handwerksberufen zu binden und ihren Karriereweg zu fördern, braucht es auch finanzielle Anreize wie eine Meisterprämie im Land oder Meisterstudenten-Tickets im ÖPNV.
So wird die berufliche und die akademische Bildung Zug um Zug gleichwertiger. Denn: Geldströme lenken Bildungsströme.

Wenn immer mehr Digitalisierung ins Handwerk einströmt, verschwinden dann nicht die Grenzen zu anderen Branchen?

Mit den sich verändernden Anforderungen verändern sich auch unsere Handwerksberufe über die Jahrzehnte.

Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm

Krimmer: Das Handwerk nutzt die Digitalisierung für sich. So verändert sich der körperliche Einsatz durch den Einsatz von Computern und mobilen Endgeräten beispielsweise. So gibt es zum Beispiel digitale Workflows vom Lieferanten über den Mitarbeiter zum Kunden in den Handwerksunternehmen.
Wenn das Handwerk smarter, digitaler und vernetzter wird, schafft es sich nicht ab. Es kann so noch schneller und flexibler auf Kundenwünsche eingehen. Ein Handwerker, der sein Fach und sein Material kennt und Erfahrung hat, ist durch keine Maschine ersetzbar. Nicht zuletzt, weil wir Handwerker jeden Tag im persönlichen Kontakt mit unseren Kunden arbeiten.

„Das Handwerk hat goldenen Boden“ – gilt das auch in Zukunft?

Mehlich: Das Handwerk ist bestens dafür gerüstet, die Zukunft nicht nur zu meistern, sondern aktiv zu gestalten. Bewährtes mit Neuem bestmöglich zusammenzuführen? Das macht ein Handwerker jeden Tag auf der Baustelle oder beim Kunden.
Die Basis dafür schafft das duale Ausbildungssystem. Junge Menschen lernen Theorie und Praxis parallel – miteinander verknüpft. Das gibt’s nirgends auf der Welt, nur bei uns. Deshalb wissen dual gebildete Fachkräfte, was sie tun. Sie sind Experten. Und Experten sind gefragt – auch in Zukunft.

www.hwk-ulm.de

© Gmünder Tagespost 29.11.2019 15:52
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy