Liebevoll saniert und modern ausgebaut

Die Süddeutsche Gemeinschaft hat mit dem neuen Gemeinde- und Begegnungszentrum Harmonie ein Schmuckstück geschaffen.
  • Die historische Substanz der Harmonie wurde so weit wie möglich erhalten, aber mit hochwertigen Materialien und modernster Technik ausgestattet. Foto: cop

Lorch. Die Fassade an der Nordseite ist ein Hingucker: Warmgelbe Fachwerkbalken auf hellrotem Putz ziehen sich bis unter den Zwerggiebel im zweiten Obergeschoss. Diese Farbe soll die Harmonie zu ihren Anfangszeiten gehabt haben, der Gasthof, den der Lorcher Wirt Carl Currlin um 1861 nahe des neu entstandenen Bahnhofs bauen ließ. Daniela Neumaier hat den Umbau der Harmonie für die Süddeutsche Gemeinschaft koordiniert und weiß: „Dieses Gelb war damals die übliche Farbe von Bahnhöfen.“ Modern hellgrau ist der Neubau an der Südseite, der das künftige Gemeinde- und Begegnungszentrum der Süddeutschen Gemeinschaft um einen Saal für 200 Personen erweitert.

Künftig werden hier regelmäßige Treffs und Veranstaltungen der Süddeutschen Gemeinde stattfinden, aber auch Ausstellungen, Vorträge oder Konzerte. Ab 20. Mai ist eine Ausstellung über 70 Jahre Grundgesetz geplant. Und am 18. Oktober liest Schriftsteller Titus Müller in der Harmonie vor. „Die Räumlichkeiten können auch gemietet werden“, sagt Daniela Neumaier, „für Feiern, Versammlungen oder von Vereinen für Sportkurse.“ Die Harmonie soll ein Haus für alle Lorcher sein, betont die Bauleiterin.

Drei Millionen Euro haben Kauf, Sanierung und Anbau der Harmonie gekostet, 1,8 Millionen für den öffentlichen Teil, der Rest für die vier Mietwohnungen in den beiden Obergeschossen. Ein Großteil des Geldes floss aus Spenden. Außerdem gab der Verband der Süddeutschen Gemeinschaft einen mehrere hunderttausend Euro schweren Kredit dazu.

Eine Herausforderung sei die Wahrung des Denkmalschutzes gewesen, erzählt Daniela Neumaier. Im Inneren des 160 Jahre alten Gebäudes wurden die Holzvertäfelungen der Wände und die Dielen der Böden abgetragen und eingelagert. Ebenso wurden die Sandsteinmauern im Untergeschoss Stein für Stein abgetragen. „In die Wände kamen Stahlstreben, damit das Gebäude nach heutigen statischen Maßgaben bestehen kann.“

5000 Arbeitsstunden wurden ehrenamtlich geleistet

Außerdem wurden Wände und Böden brandschutztechnisch bearbeitet. „Anschließend kamen die alten Vertäfelungen, Beläge und Mauern wieder an Ort und Stelle.“ So sei es mit dem Amt für Denkmalschutz vereinbart gewesen. Dagegen wurden Elektrik und Rohre komplett erneuert. „Was die Elektrik angeht, haben wir im ganzen Haus den höchsten Standard“, sagt Andreas Neumaier, der wie seine Frau intensiv an der Sanierung mitgearbeitet hat. Genau wie zahlreiche ehrenamtliche Helfer. „Zehn bis 15 Bauhelfer aus eigenen Reihen waren jeden Samstag hier und stemmten den Innenausbau“, sagt Daniela Neumaier. Einer von ihnen ist der Pastor der Lorcher Gemeinde, Martin Luitjens. Bis zum Einweihungstag war er beinahe jede freie Minute auf der Baustelle. „Toll, was man mit Leidenschaft leisten kann“, sagt er.

Grob überschlagen könne von 5000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden gesprochen werden. Gleichzeitig habe man sich so die Anschaffung hochwertiger Materialien leisten können. Echtholzböden in den Wohnungen und natürliches Dämmmaterial. „Diese Materialien schienen uns zum historischen Wert des Hauses zu passen“, sagt Daniela Neumaier. Denn die Geschichte sei ihnen wichtig. Deshalb plant sie zeitnah jene einzuladen, die mit der Harmonie in der Vergangenheit zu tun hatten. „Zum zwanglosen Zusammensein, aber auch, um mehr über die Historie des Hauses zu erfahren.“ cop

© Gmünder Tagespost 11.01.2019 19:38
568 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.