NDR-Recherche

Ex-Chef kassiert 180.000 Euro Ruhegeld: „Großzügige“ Regelung bei ARD, ZDF und Co.

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Führungskräfte bei öffentlich-rechtlichen Sendern wie ARD oder ZDF werden mit Millionen Euro abgesichert. (Symbolbild)
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Vielen Führungskräften von ARD und ZDF stehen sechsstellige Ruhegelder zu, welche die Sender Millionen Euro kosten. Das geht aus einer NDR-Recherche hervor.

Hamburg – Einige öffentlich-rechtliche Sender sichern ihre Führungskräfte mit großen Summen ab. Sollten die Verträge der Intendantinnen und Intendanten oder Direktorinnen und Direktoren vor Eintritt ins Rentenalter nicht verlängert werden, stünden ihnen sechsstellige Ruhegelder pro Jahr zu. Dies geht aus einer Recherche des NDR hervor.

In manchen Fällen gelte die Regelung lebenslang, einige hätten sogar nach nur einem Arbeitstag in einer Führungspostion Anspruch auf ein Ruhegeld, berichtet der NDR am Dienstag (25. Oktober). Als Beispiel wurde dafür unter anderem der ARD-Tochtersender rbb genannt.

Führungskräfte bei ARD und ZDF: Lebenslanger Anspruch auf sechsstelliges Ruhegeld jährlich

Das NDR-Rechercheteam hatte nach eigenen Angaben Einsicht in den Dienstvertrag des rbb-Programmdirektors. Wörtlich heißt es dort: „Das Ruhegeld beträgt am Tag des eigentlichen Vertragsbeginns 45 Prozent der Basisvergütung und steigt mit jedem weiteren vollendeten Dienstjahr um einen Prozentpunkt bis zur Höchstgrenze von 60 Prozent der letzten vertraglich vereinbarten Basisvergütung.“ Bei einer Basisvergütung von 215.000 Euro gebe es demnach nach nur einem Arbeitstag 8000 Euro Ruhegeld monatlich, berichtet der NDR. Zudem hätte der derzeitige Programmdirektor des rbb, auch wenn der Vertrag nicht verlängert wird, lebenslang Anspruch auf ein jährliches sechsstelliges Ruhegeld.

ARD ZDF
Gründung: 1950Gründung: 1961
Hauptsitz: BerlinHauptsitz: Mainz
Tochtergesellschaften: Westdeutscher Rundfunk Köln, Hessischer Rundfunk, Deutsche Welle, Degeto FilmTochtergesellschaft: ZDF Studios

Auch der MDR soll seine Führungskräfte ähnlich großzügig absichern. Wie aus der NDR-Recherche weiter hervorgeht, habe der Sender mehr als 15 Millionen Euro für die Versorgung seiner Führungsspitze zurückgestellt. Trennt sich der MDR von Führungskräften, erhielten diese ihr Gehalt für die Restlaufzeit ihres Vertrages weiter. Anschließend gebe es - unabhängig vom Alter - ein Ruhegehalt, so auch, wenn ein Vertrag einfach nicht verlängert wird.

Gehalt: Bei welchen Jobs Sie gut verdienen können

Das Durchschnittsgehalt in Deutschland beträgt 51.009 Euro brutto im Jahr.
Das Durchschnittsgehalt in Deutschland beträgt 51.009 Euro brutto im Jahr. Das Jahresmediangehalt (Mittelwert) liegt bei 44.074 Euro brutto. Das zeigt der gemeinsame Gehaltsreport 2022 der Portale Gehalt.de und Stepstone.de, für die mehr als 600.000 Gehaltsdaten analysiert wurden.  © IMAGO
Frauen verdienen jährlich 40.533 Euro brutto im Median, Männer 47.320 Euro brutto.
Frauen verdienen jährlich 40.533 Euro brutto im Median, Männer 47.320 Euro brutto. © Andrey Popov/Imago/Panthermedia
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Das Ranking der Großstädte dominiert Frankfurt am Main mit 54.100 Euro. Es folgen München (53.900 Euro) und Stuttgart (53.600 Euro).  © Monika Skolimowska/dpa
Geldscheine. Der Gehaltsreport 2022 zeigt, wo Sie aktuell die besten Chancen auf ein gutes Gehalt haben.
Der Gehaltsreport 2022 zeigt, wo Sie aktuell die besten Chancen auf ein gutes Gehalt haben.  © Robert Michael/dpa
In Hessen liegt das Durchschnittsmediangehalt mit 47.840 Euro deutschlandweit am höchsten.
In Hessen liegt das Durchschnittsmediangehalt mit 47.840 Euro deutschlandweit am höchsten. Auf Platz 2 folgt Baden-Württemberg mit 47.806 Euro, Bayern landet auf dem dritten Platz (46.800 Euro).  © Lutz Wallroth/Imago
Der bestbezahlte Beruf in Deutschland kommt wie schon in den letzten Jahren aus der Berufsgruppe der Akademiker. Ärztinnen und Ärzte gehören mit einem Gehalt von 78.317 Euro im Median (Mittelwert) zu den Spitzenverdienern.
Der bestbezahlte Beruf in Deutschland kommt wie schon in den letzten Jahren aus der Berufsgruppe der Akademiker. Ärztinnen und Ärzte gehören mit einem Gehalt von 78.317 Euro im Median (Mittelwert) zu den Spitzenverdienern.  © IMAGO / YAY Images
Auf Platz zwei folgen Mitarbeitende im Vertrieb (zum Beispiel Key Account Management), die vor allem durch flexible Gehaltsbestandteile wie Boni im oberen Bereich des Rankings landen.
Auf Platz zwei folgen Mitarbeitende im Vertrieb (zum Beispiel Key Account Management), die vor allem durch flexible Gehaltsbestandteile wie Boni im oberen Bereich des Rankings landen. Ein Gehalt von 62.379 Euro Euro im Median (Mittelwert) kann sich hier durchaus sehen lassen.  © Katarina Premfors/Imago
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Auch Unternehmensberater werden top entlohnt und landen dem Ranking zufolge auf Platz 3 – mit einem Gehalt von 62.119 Euro im Median (Mittelwert). © Thomas Trutschel/photothek/Imago
Bei den Berufen ohne akademische Ausbildung verdienen Finanzexpert/innen am besten: Ihnen winkt ein Jahresgehalt von 43.175 Euro brutto im Median, gefolgt von IT-Expert/innen (42.758 Euro) und Personaler/innen (42.011 Euro).
Bei den Berufen ohne akademische Ausbildung verdienen Finanzexpert/innen am besten: Ihnen winkt ein Jahresgehalt von 43.175 Euro brutto im Median, gefolgt von IT-Expert/innen (42.758 Euro) und Personaler/innen (42.011 Euro).  © Arno Burgi/dpa
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Zu den bestbezahlten Branchen in Deutschland gehören laut des Gehaltsreports die Halbleiterbranche mit 62.963 Euro Jahresgehalt brutto (Median), der Bereich Biotechnologie mit 61.542 Euro brutto (Median) sowie Banken mit 58.341 Euro brutto im Median. © Kay Nietfeld/dpa
Der Einzelhandel schneidet dagegen mit 32.000 bis 35.000 Euro jährlich verhältnismäßig schlecht ab.
Der Einzelhandel schneidet dagegen mit 32.000 bis 35.000 Euro jährlich verhältnismäßig schlecht ab. Auch in Hotels und Gaststätten (31.2000 Euro) sowie in Callcentern (28.916 Euro) erwartet Mitarbeiter die niedrigsten Gehälter über alle Branchen hinweg. © Malte Christians/dpa

Großzügige Regelungen für das Führungspersonal gebe es auch beim ZDF. Der Intendant und alle fünf Direktoren würden ein lebenslanges Ruhegeld erhalten, sollte ihr Vertrag enden oder nicht verlängert werden und die Rente noch in weiter Ferne sein. Aus Gründen des Datenschutzes teilte das ZDF jedoch keine weiteren Details mit.

Beim NDR gibt es bei vorzeitiger Beendigung des Vertrages oder nach regulären Vertragsende ebenfalls eine Ruhegeld-Regelung. Sie gilt allerdings nur für den Intendanten oder die Intendantin und den Stellvertreter und auch nur bis zum Eintritt ins Rentenalter.

Ruhegeld bei ARD und ZDF: Einige Sender haben Regelung abgeschafft

Anders ist es beim Hessischen Rundfunk: Der aktuelle hr-Intendant hat nach Angaben des NDR keine Ruhegeld-Regelung mehr in seinem Vertrag. Sein Vorgänger kam bei seinem Ausscheiden allerdings noch auf Ansprüche von einer sechsstelligen Summe von rund 180.000 Euro im Jahr. Beim BR, SWR und WDR wurden die Ruhegeld-Regelungen laut NDR schon vor einigen Jahren abgeschafft. Der Saarländische Rundfunk und das Deutschlandradio haben für ihre Führungsspitze keine derartigen Regelungen.

Begründet werden die Regelungen von den Sendern damit, dass für Mitglieder ihrer Geschäftsleitungen nach Auslaufen der Verträge häufig keine Stellen hinterlegt seien, auf die diese dann planmäßig zurückfallen könnten. Die Vereinbarungen seien eine Anlehnung an Regelungen zum einstweiligen Ruhestand im öffentlichen Dienst. (hg)

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