„Katastrophaler Fehler“

Corona-Alarm in Tschechien: Zahlen explodieren weiter - Experten sprechen von Strategie-Versagen

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Tschechien gilt weltweit als einer der Corona-Hotspots. Die Zahlen schnellen weiter in die Höhe. Das liegt laut einiger Experten auch an einem Strategie-Versagen.

Tschechien - Die Zahlen sind schockierend. Mittlerweile sind fast 23.500 Menschen in Tschechien an oder mit dem Coronavirus gestorben. Jüngst verzeichnet das Land auch täglich durchschnittlich 15.000 Neuinfektionen auf gerade mal zehn Millionen Einwohner. Seit Beginn der Pandemie* arbeiten Krankenhäuser in Tschechien an der Kapazitätsgrenze. Die gefürchtete Triage, also eine Entscheidung welcher Patient intensivmedizinisch behandelt wird und welcher nicht, ist laut Angabe einiger Intensivmediziner gegenüber dem Tagesspiegel bereits Alltag in den Kliniken besonders betroffener Regionen.

Tschechien gehört weltweit zu den Corona-Hotspots: Zahlen besorgniserregend

Warum im benachbarten Tschechien das Coronavirus* besonders verheerend grassiert, hat laut eines Berichts im Tagesspiegel mehrere Gründe. Ein entscheidender Punkt für die pandemische Misere ist laut Experteneinschätzung die Politik des Landes. Seit Beginn der weltweiten Krise würde die Regierung inkonsequent handeln. Sie sehen entscheidende Fehler in der Lockerungs-Strategie des Landes. Im Sommer 2020 wurde sogar in Innenräumen und dem öffentlichen Nahverkehr die Maskenpflicht aufgehoben und erst im Herbst wieder eingeführt, als jedoch die Zahlen bereits wieder erschreckend in die Höhe geschnellt waren. Auch zu diesem Zeitpunkt blieben die Geschäfte noch regulär geöffnet.

Experten sind sicher: Corona-Lockerungen in Tschechien waren „katastrophaler Fehler“

Auch die Lockerungen der tschechischen Regierung vor den Weihnachtsfeiertagen seien ein großer Fehler gewesen. Der Präsident der tschechischen Ärztekammer, Milan Kubek, betitelt dieses Vorgehen sogar als „unsinnig“ und einen „katastrophalen Fehler“, heißt es in der Analyse weiter. Trotz besorgniserregendem Ausmaß der Infektionszahlen reagierte die Landesregierung von Ministerpräsident Andrej Babis erst nach Weihnachten. „Experten hatten rechtzeitig gewarnt, dass für jeden Tag, an dem wir in Kneipen, zum Friseur und zum Einkaufen gehen, Tausende Leute sterben. Und es war die Wahrheit“, sagte Kubek laut dem Tagesspiegel.

Zu langsame Reaktion auf Corona-Virus-Mutationen in Tschechien

Ebenfalls wird die tschechische Regierung für die langsame Reaktion auf die Virus-Mutationen, die ab dem Januar auftraten und in Tschechien wüteten, kritisiert. Die Corona-Mutanten sind ansteckender als das Ursprungsvirus. Auch ein strengerer 21-tägiger Lockdown in Tschechien habe keine erhofften Erfolge im Infektionsgeschehen verzeichnen können. „Die Leute sind müde, sie treffen sich privat und veranstalten Feiern, fahren in die Berge und ignorieren die Polizei, die nichts dagegen machen kann“, wird der Epidemiologe Rastislav Madar in einem Gespräch mit tschechischen Journalisten im Tagesspiegel zitiert.

Lockdown-Strategie und Finanzpolitik Schuld an verheerender Corona-Lage in Tschechien

Aber nicht nur die Lockdown*-Strategie und Gesundheitspolitik habe Schuld an der katastrophalen Lage. Auch die Finanzpolitik trage laut Experten zu den exorbitant hohen Fallzahlen bei. Denn Isolation bedeutete kein Lohnausgleich. Daher gaben viele an Covid Erkrankte ihre Kontaktpersonen nicht wahrheitsgemäß an, da diesen dann wirtschaftliche Probleme durch die Isolation drohten, berichtet auch br24.de.

Fatales Verhalten von tschechischen Expräsidenten befeuert Verschwörungstheorien und Corona-Leugner

Den generellen Umgang mit der Pandemie verdeutlicht in einem negativen Fall wohl auch der ehemalige tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus. Er war es, der - bevor er selbst an Corona erkrankte - auf Demonstrationen von Corona-Leugnern auftrat und sich öffentlich als Masken-Gegner positionierte. (feb) Merkur.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Radek Petráek/dpa/CTK

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