Solidarität aus der Bundesliga

Nach Kritik an Irans Staatsregime: Ex-Bayern-Star Daei bekommt seinen Pass zurück

+
Solidarität für Ali Daei: die „Ostkurve“ von Hertha BSC im Berliner Olympiastadion.
  • schließen

Ali Daei, früherer Bundesliga-Spieler des FC Bayern und von Hertha BSC, erhält von Iran sein Ausweisdokument zurück. Der Pass war beschlagnahmt worden - wegen Kritik am Mullah-Regime.

Update vom 12. Oktober, 16.30 Uhr: Dieser Fall hatte international für Aufsehen gesorgt - insbesondere in der deutschen Fußball-Bundesliga. Iranische Behörden nahmen dem ehemaligen Fußball-Profi Ali Daei (FC Bayern München, Hertha BSC, Arminia Bielefeld) kürzlich den Pass weg, nachdem der Rekordnationalspieler bei Social Media die Protestbewegung gegen die Unterdrückung von Frauen in der islamischen Republik unterstützt hatte.

Laut eigener Aussage hat der 53-Jährige sein Ausweisdokument mittlerweile wieder zurückbekommen. Demnach wurde es „nur“ vorübergehend beschlagnahmt. Anfangs hatten Medien von einem angeblichen Ausreiseverbot gegen den einstigen Bundesliga-Stürmer geschrieben.

Der iranische Rekordtorschütze (149 Einsätze, 109 Tore) hatte das Mullah-Regime in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, „die Probleme des iranischen Volks zu lösen, anstatt auf Unterdrückung, Gewalt und Verhaftungen zurückzugreifen“. Seit Wochen gehen in Iran vornehmlich Frauen auf die Straßen, um nach der mutmaßlichen Ermordung der 22-jährigen Kurdin Masha Amini für ihre Rechte und gegen Diskriminierung zu demonstrieren.

Ex-Bundesliga-Profi des FC Bayern und von Hertha BSC: der Iraner Ali Daei.

Iran: Frauenbewegung protestiert seit Wochen gegen Unterdrückung und Gewalt

Erstmeldung vom 10. Oktober: München/Berlin/Teheran - Die Frauen des Iran protestieren. Nach dem gewaltsamen Tod der Kurdin Mahsa Amini in Teheran gehen sie im ganzen Land zu Tausenden auf die Straßen.

Eine Gastautorin schreibt für die Zeit von einem „feministischen Kampf“, schier unzählige Frauen verleihen ihrem Protest Ausdruck, indem sie Fotos von sich ohne Kopftuch von Smartphone zu Smartphone schicken.

Die 22-jährige Kurdin Amini war vergangenen Monat mutmaßlich durch die iranische Moralpolizei ermordet worden, was eine bemerkenswerte Frauenbewegung in dem Land mit seinen rund 84 Millionen Einwohnern nach sich zog. „Frau, Leben, Freiheit!“, ist der Leitslogan der Demonstrationen. An diesen und dem Protest gegen das streng konservativ-islamistische Staatsregime beteiligen sich auch viele Männer.

Im Video: Annalena Baerbock verurteilt Gewalt gegen Frauenbewegung in Iran - „Trifft uns ins Mark“

Einer davon ist Ali Daei, früherer Bundesliga-Stürmer des FC Bayern München, von Arminia Bielefeld und Hertha BSC. Der iranische Rekordnationalspieler und -torschütze (149 Einsätze, 109 Tore) hatte in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, „die Probleme des iranischen Volks zu lösen, anstatt auf Unterdrückung, Gewalt und Verhaftungen zurückzugreifen“.

FC Bayern: Ex-Spieler Ali Daei protestiert öffentlich gegen „Gewalt und Verhaftungen“ in Iran

Das Mullah-Regime ließ in den vergangenen drei Wochen etliche Demonstranten festnehmen und auf den Straßen Schlagstöcke sowie Tränengas einsetzen. Den Protest brach das nicht. Der Unmut macht sich verschiedenen Berichten zufolge schon seit Jahren breit. Wie etwa der Deutschlandfunk auf seiner Website berichtet, sind die Frauen in Iran seit 1979 dazu angehalten, sich „züchtig“ zu kleiden. Frauen müssen ihre Haare komplett bedecken, lange Hosen und weite Mäntel tragen.

Die Reaktion vieler iranischer Frauen, jetzt ihre Kopftücher abzulegen, bezieht sich darauf. Daei, der in Iran bis heute ein populärer Ex-Sportler ist, wurde für seine Unterstützung für die Protestbewegung vom Staat jetzt bestraft.

Freiheit für Ali Daei und alle Protestierenden im Iran.

Ostkurve Hertha BSC in der Fußball-Bundesliga

Ali Daei: Behörden des Iran nehmen Ex-Stürmer des FC Bayern den Pass weg

Konkret: Die Behörden entzogen dem heute 53-Jährigen seinen Pass und sprachen ein Ausreiseverbot gegen ihn aus. Das sorgte für reichlich Unmut bei seinem früheren Arbeitgeber Hertha BSC. Die „Ostkurve“ im Berliner Olympiastadion zeigte beim 2:2 gegen den SC Freiburg ein Banner mit der Forderung: „Freiheit für Ali Daei und alle Protestierenden im Iran.“

Der Klub zeigte auf der Anzeigetafel eine Grafik mit Fotos von Daei im Hertha-Trikot sowie der iranischen Flagge im Hintergrund. Bei Twitter schrieb die Hertha: „Bestürzt blicken auch wir dieser Tage in den Iran. Unser ehemaliger Spieler Ali Daei darf das Land nicht mehr verlassen, da er sich für Frauenrechte eingesetzt hat. Wir solidarisieren uns mit dem Herthaner und allen Frauen im Iran, die so mutig sind, für ihre Rechte zu kämpfen.“ Vom FC Bayern gab es Stand Montagabend, 17.15 Uhr, dagegen noch keine Reaktion bei Social Media oder auf der Website zur Nachricht aus dem Iran. (pm)

Zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare