Ukraine-Krieg

„Er befindet sich in seiner eigenen Kriegslogik“ – Putin ist vom Sieg in der Ukraine überzeugt

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Eine Frau hält ein Bild des russischen Präsidenten Wladimir Putin während einer Kundgebung in Belgrad. (Archivbild)
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Österreichs Kanzler Nehammer traf Putin als erster EU-Regierungschef seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Der russische Präsident ist von einem Sieg überzeugt.

Moskau – Der Ukraine-Krieg* und die damit einhergehende Zerstörung dauern nun mehr als sieben Wochen an. Die Lage für Russland* gestaltet sich schwieriger als anfangs angenommen, die ukrainischen Streitkräfte leisten weiterhin erbitterten Widerstand. Dennoch ist der russische Präsident Wladimir Putin* überzeugt, dass er den Krieg gewinnen wird.

Davon geht zumindest Karl Nehammer aus. Nehammer, seit dem Rücktritt von Sebastian Kurz Bundeskanzler von Österreich, war der erste EU-Regierungschef, der sich seit Beginn russischen Invasion in die Ukraine* mit Putin getroffen hat.

Wladimir Wladimirowitsch Putin
2000 bis 2004Erste Amtszeit als Präsident
2004 bis 2008Zweite Amtszeit als Präsident
2008 bis 2012Zweite Amtszeit als Ministerpräsident
2012 bis 2018Dritte Amtszeit als Präsident
Seit 2018Vierte Amtszeit als Präsident

Ukraine-Krieg: Gespräche mit Putin „offen und hart“

Das Gespräch mit dem russischen Staatsoberhaupt sei am Montag (11.04.2022) in Moskau* nicht freundlich gewesen, sondern „offen und hart“, sagte Nehammer in einem Interview nach Angaben der britischen Internet-Zeitung The Independent. „Ich glaube, er befindet sich jetzt in seiner eigenen Kriegslogik. Er glaubt, der Krieg sei notwendig, um die Sicherheit der Russischen Föderation zu gewährleisten. Er hat kein Vertrauen in die internationale Gemeinschaft. Er beschuldigt die Ukrainer des Völkermordes in der Donbass-Region“, erklärte er in der NBC-Sendung Meet The Press.

Für Putin sei der Ukraine-Konflikt* „eine Art Selbstverteidigungsoperation der Russischen Föderation“. „Er nennt es spezielle militärische Operationen. Ich nenne es den Krieg“, sagte der österreichische Bundeskanzler. In dem Gespräch habe er dem Präsidenten klargemacht, dass Putins „Ansicht von niemandem geteilt wird“, ergänzte der konservative Politiker.

Daraufhin habe der russische Staatschef Nehammer zufolge einerseits versprochen, mit einer internationalen Untersuchung zu kooperieren, um Kriegsverbrechen aufzudecken, andererseits habe er wiederholt, dass er dem Westen nicht traue. „Das wird also das Problem in der Zukunft sein“, sagte Nehammer. Während des Treffens mit Putin habe es keinen Händedruck und auch keine Fotos gegeben.

Karl Nehammer (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, spricht während einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Putin.

Ukraine-Krieg: Treffen mit Putin – österreichischer Kanzler pessimistisch

Nach dem Treffen zeigte sich der österreichische Bundeskanzler pessimistisch. „Wir alle können sehen, dass in der Donbass-Region eine massive Schlacht vorbereiten wird. Wir werden dort viele Menschenleben verlieren – das ist der Grund, warum ich pessimistisch bin“, wurde Nehammer von The Independent zitiert.

Die Frage des NBC-Reporters, ob er glaube, dass Putin Atomwaffen einsetzen könnte, konnte Nehammer nicht eindeutig beantworten. „Das ist eine schwierige Frage. Er weiß, dass er diese Waffe hat. Und er kennt die Bedrohung durch diese Waffe. Ich weiß nicht wirklich, ob er sie einsetzen wird, aber er weiß, dass er die Welt mit dieser Waffe bedrohen kann.“

Treffen mit Putin während Ukraine-Krieg: Kriegsverbrechen in Butscha bestätigt

Bevor er nach Moskau reiste, hat sich Karl Nehammer in der ukrainischen Stadt Butscha ein Bild von der Zerstörung gemacht, die das vermeintlich russische Militär hinterlassen hat*. Er wolle „Zeuge aus erster Hand“ sein, bevor er auf den russischen Präsidenten treffe. „Wir haben die Kriegsverbrechen dort gesehen“, bestätige Nehammer gegenüber NBC.

Die Friedensgespräche mit Russland befinden sich derzeit in einer Sackgasse, „weil wir unser Territorium und unser Volk nicht tauschen werden“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj*. Nach Gesprächen in Kiew* und Moskau sieht Nehammer dennoch eine kleine Chance auf Verhandlungen zwischen den beiden Ländern. „Es sind beide in der Kriegslogik, aber beide wissen, dass es irgendwann mal enden muss“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). (kas) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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