Empfang in Berlin

Abbas wirft Israel „Holocaust“ an Palästinensern vor – Scholz schweigt

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Palästinenserpräsident  Abbas wirft Israel den „Holocaust“ an Palästina vor. Bundeskanzler Scholz reagiert mit Schweigen. Später folgt Empörung.

+++ 08.30 Uhr: Das Internationale Auschwitz-Komitee hat den Holocaust-Vorwurf von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gegen Israel sowie eine zögerliche Reaktion von deutscher Seite scharf kritisiert. Zu Abbas Äußerungen bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz sagte der Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner am späten Dienstagabend, der Präsident habe „die politische Bühne Berlins gezielt genutzt, um die deutsche Erinnerungskultur und die Beziehungen zum Staat Israel zu diffamieren. Mit seinem schändlichen und unangemessenen Holocaust-Vergleich hat Abbas erneut versucht, antiisraelische und antisemitische Aggressionen in Deutschland und Europa zu bedienen.“

Mahmud Abbas (l.) und Olaf Scholz (r.) am jeweiligen Rednerpult.

Auch an der Bundesregierung übte Heubner Kritik. „Es ist erstaunlich und befremdlich, dass die deutsche Seite auf Abbas Provokationen nicht vorbereitet war und seine Äußerungen zum Holocaust in der Pressekonferenz unwidersprochen geblieben sind“, teilte Heubner in Berlin mit.

+++ 08.00 Uhr: Der neue deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, hat den Holocaust-Vergleich von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als „falsch und inakzeptabel“ kritisiert. „Deutschland wird niemals einen Versuch dulden, die Einzigartigkeit der Verbrechen des Holocaust zu leugnen“, schrieb der frühere Regierungssprecher am Mittwoch auf Twitter.

Abbas wirft Israel „Holocaust“ an Palästinensern vor – Scholz empört: „Unerträglich“

Erstmeldung vom Mittwoch, 17. August, 07.00 Uhr: Berlin – Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat Israel bei seinem Besuch in Berlin einen „Holocaust“ an den Palästinensern vorgeworfen. „Israel hat seit 1947 bis zum heutigen Tag 50 Massaker in 50 palästinensischen Orten begangen“, sagte Abbas am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Kanzleramt. „50 Massaker, 50 Holocausts“, fügte er hinzu.

Er war zuvor von einem Journalisten gefragt worden, ob er sich zum 50. Jahrestag des von palästinensischen Terroristen verübten Attentats auf die israelische Olympiamannschaft in München bei Israel entschuldigen werde. Tagtäglich habe man Tote, die von der israelischen Armee getötet würden, sagte Abbas dazu. „Wenn wir weiter in der Vergangenheit wühlen wollen, ja bitte.“ Auf das Olympia-Attentat, bei dem elf Israelis getötet wurden, ging Abbas in seiner Antwort nicht ein.

Scholz empfängt Abbas in Berlin: „Holocaust“-Äußerung empört Bundeskanzler

Scholz verfolgte die Äußerungen mit versteinerter Miene, sichtlich verärgert und machte auch Anstalten, sie zu erwidern. Sein Sprecher Steffen Hebestreit hatte die Pressekonferenz aber unmittelbar nach der Antwort Abbas für beendet erklärt. Die Frage an den Palästinenserpräsidenten war schon vorher als die letzte angekündigt worden. Hebestreit berichtete später, dass Scholz empört über die Äußerung Abbas gewesen sei. „Gerade für uns Deutsche ist jegliche Relativierung des Holocaust unerträglich und inakzeptabel“, sagte Scholz später der Bild.

Bundeskanzler Scholz zeigte sich nach den Äußerungen von Abbas sichtlich iritiert.

Scholz hatte Abbas bereits vorher auf offener Bühne kritisiert, weil er die israelische Politik als „Apartheidssystem“ bezeichnet hatte. „Ich will ausdrücklich hier an dieser Stelle sagen, dass ich mir das Wort Apartheid nicht zu eigen mache und dass ich das nicht für richtig halte für die Beschreibung der Situation“, sagte Scholz. Abbas hatte zuvor gesagt, die „Umwandlung in die neue Realität eines einzigen Staates in einem Apartheid-System“ diene nicht der Sicherheit und Stabilität in der Region. (tu mit AFP/KNA/dpa)

Rubriklistenbild: © Wolfgang Kumm / dpa

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