Russland in der Opferrolle

Rede zum 9. Mai: Putin verzichtet auf Ukraine-Eskalation - und hält sich Hintertür offen

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In der mit Spannung erwarteten Rede von Putin zum Sieg über Hitler-Deutschland gab es eine Überraschung. Drohungen blieben aus.

Moskau - Sie war mit Spannung erwartet worden: Die Rede Waldimir Putins zur großen Militärparade in Moskau am 9. Mai zum Gedenken des Sieges über Nazi-Deutschland. Im Vorfeld wurde viel darüber gemutmaßt, auch wegen der möglichen Auswirkungen auf den Ukraine-Konflikt. Im Vorfeld spekulierten Beobachter und Experten, ob der russische Präsident der Ukraine offiziell den Krieg erklären und eine Generalmobilmachung verkünden wird. Das wurde vom Kreml allerdings schnell dementiert.

Putins Rede zur Militärparade am 9. Mai: Ukraine und Nato sollen angeblich Invasion geplant haben

Putins Rede verlief dann aber etwas anders als gedacht. Er ging erwartungsgemäß auf den Ukraine-Krieg ein, stellte ihn allerdings als eine reine Verteidigungsmaßnahme dar. „Russland hat präventiv die Aggression abgewehrt, das war die einzig richtige Entscheidung“, so Putin. Er warf dem Westen einmal mehr vor, „Neonazis“ in der Ukraine bewaffnet zu haben. Die Ukraine habe sich aufgerüstet mit Waffen der Nato und so eine Gefahr dargestellt für das Land.

Er beschuldigte die Ukraine und die Nato auch, „eine Invasion unserer historischen Gebiete“ geplant zu haben, darunter der 2014 von Russland annektierten Krim-Halbinsel und der mehrheitlich russischsprachigen Donbass-Region in der Ostukraine. Zudem strebe Kiew nach der Atombombe. Behauptungen ohne stichhaltige Beweise zu liefern.

Wladimir Putin verzichtet in seiner Rede zum „Tag des Sieges“ am 9. Mai auf Eskalationen.

Putins Rede zur Militärparade am 9. Mai: Verluste bei eigenen Soldaten werden eingeräumt

Den Krieg rechtfertigte der russische Präsident unter anderem auch mit dem Weltkriegs-Gedenken: „Ihr kämpft für das Vaterland, für seine Zukunft, damit niemand die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg vergisst“, sagte er an die Soldaten gerichtet, von denen einige in der Ukraine im Einsatz gewesen waren. Sie hätten dort das „Vaterland“ vor der „inakzeptablen Gefahr“ verteidigt, die das vom Westen unterstützte Nachbarland für Russland darstelle.

Zugleich räumte Waldimir Putin Verluste bei seinen Truppen sein, ohne allerdings Zahlen zu nennen. Er versprach den Angehörigen materielle Hilfe. „Der Tod eines jeden Soldaten und Offiziers bedeutet Leid und unwiederbringlichen Verlust für die Verwandten und Liebsten.“ Der Staat, die Regionen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen täten alles, um diesen Familien Fürsorge zukommen zu lassen und ihnen zu helfen.

Putins Rede zur Militärparade am 9. Mai: Moskau ist auf den Westen zugegangen

Russland selbst verortet er moralisch auf der richtigen Seite. Putin sagte, dass Moskau immer wieder versucht habe, ein Abkommen für eine internationale Sicherheitslösung zu erzielen. Die Nato habe aber Russlands Argumente ignoriert und damit begonnen, das ukrainische Territorium militärisch zu erschließen.

Putin warnte auch vor einem neuen Weltkrieg. Der damalige Kampf bedeute nicht nur die Verpflichtung, das Andenken derer zu erhalten, die den Nazismus besiegt hätten. Aufgabe sei es, „wachsam zu sein und alles zu tun, damit sich die Schrecken eines globalen Krieges nicht wiederholen“. Dabei war es der Kreml, der indirekt mit Atomwaffen gedroht hat.

Putins Rede zur Militärparade am 9. Mai: Nur Kämpfe im Donbass werden erwähnt

Putin betonte, dass der Sieg im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit den westlichen Alliierten errungen wurde, beklagte aber zugleich die dort herrschende „Russophobie“ bei den politischen Eliten. „Uns ist bekannt, dass den amerikanischen Veteranen, die zur Moskauer Parade anreisen wollten, das faktisch verboten wurde“, behauptete der russische Präsident.

Etwas überraschend ist, dass Putin von Eskalationen und Drohungen Abstand genommen hat. Es ist nicht die Rede davon, die ganze Ukraine zu erobern. Er spricht davon, dass die russischen Soldaten im Donbass für die Sicherheit Russlands kämpfen. Dabei ignoriert er, dass auch im Süden der Ukraine gekämpft wird und auch im Westen des Landes Luft- und Raketenangriffe stattfinden. (Hier finden Sie den aktuellen Ticker zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg).

Insgesamt gesehen war Putins Rede mit einer Länge von zehn Minuten recht kurz gehalten. Anstelle aggressiv aufzutreten, betont der russische Präsident vor allem, dass Russland der Krieg aufgezwungen wurde und reiht einige Behauptungen aneinander. Der Verzicht auf eine Eskalation dieses Krieges, zum Beispiel durch eine Generalmobilmachung, hält ihm einen Ausweg aus der verfahrenen Lage offen.

Rubriklistenbild: © Mikhail Metzel

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