Bereits Mordanschlag auf Bruder

Russischer Mordplan gegen Oppositionellen in Deutschland? Brisante Anklage in München

In München wird ein Russe wegen eines geplanten Auftragsmords angeklagt. Das Opfer war wohl ein tschetschenischer Oppositioneller und lebte in Bayern. Der Auftrag könnte staatlich gewesen sein.

München - Die Bundesanwaltschaft hat mitten im schwelenden Ukraine-Konflikt* einen Russen vor dem Oberlandesgericht (OLG) München angeklagt. Er soll sich zu einem mutmaßlich staatlich geplanten Auftragsmords bereit erklärt haben. Der Angriff sollte wohl einem Kritiker der tschetschenischen Führung gelten.

Den Auftrag zu der Gewalttat soll ein Mitglied des Sicherheitsapparats um den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow erteilt haben. Das avisierte Opfer sowie dessen Bruder sind Kritiker des Kadyrow-Regimes und treten in sozialen Medien für ein unabhängiges Tschetschenien ein“, hieß es.

Anklage gegen Russen: Geplanter Mord im Auftrag Tschetscheniens? - Angeklagter soll Schützen trainiert haben

Kritiker werfen dem tschetschenischen Präsidenten Kadyrow eine brutale Herrschaft mit Clan-Strukturen und korrupten Beamten vor. Zudem soll er mit Morden an politischen Gegnern, auch in der Europäischen Union, in Verbindung stehen. Der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien gilt als treuer Verbündeter von Russlands Präsident Wladimir Putin*.

Der tschetschenische Präsidenten Ramsan Kadyrow soll mit Morden an politischen Gegnern in Verbindung stehen. In München wird ein solcher Fall untersucht.

Geplanter Mord im Auftrag der Teilrepublik Russlands*? Der Behörde zufolge hatte der Angeklagte ìn diesem Fall 2020 den Auftrag bekommen, den Mord an einem in Deutschland lebenden Exil-Oppositionellen zu organisieren. Er habe sich eine Schusswaffe samt Munition und Schalldämpfer besorgt und das Opfer ausgespäht. Den Mord selbst sollte jemand anderes übernehmen, der den Auftrag jedoch aus Angst vor Repressalien nur zum Schein angenommen habe.

Der Angeschuldigte sei im September 2020 von Deutschland nach Tschetschenien gekommen, um den vermeintlichen Attentäter in die Bundesrepublik zu schleusen. Nach ihrer Ankunft dort hätten sie Schießen geübt, einen geeigneten Tatort gesucht und den Wohnort des Opfers ausgekundschaftet.

Mordplan gegen Oppositionellen in Deutschland: OLG muss über Anklage gegen Russen entscheiden

An Neujahr 2021 wurde der beschuldigte Russe aufgrund eines Haftbefehls des Amtsgerichts Augsburg in Schwerin festgenommen. Er kam in Untersuchungshaft. Das Münchner Oberlandesgericht muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt und ein Verfahren ansetzt. Dem Russen werden neben dem Vorbereiten einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat auch Verstöße gegen das Waffengesetz zur Last gelegt, wie die Bundesanwaltschaft am Donnerstag mitteilte.

Mordplan gegen Oppositionellen in Deutschland: 2020 bereits Anschlag auf Bruder des mutmaßlichen Opfers

Der MDR und der Spiegel hatten vergangenes Jahr zuerst über die Ermittlungen berichtet. Nach ihren Recherchen galten die Mordpläne dem Oppositionellen Mochmad Abdurachmanow. Auf dessen Bruder, den Blogger Tumso Abdurachmanow, war im Februar 2020 in Schweden ein Mordanschlag verübt worden. Zwei Russen wurden deshalb zu langen Haftstrafen verurteilt.

Wie der Spiegel am Donnerstag berichtete, lebte Mochmad Abdurachmanow als Asylbewerber in Bayern. Mit dem Mord habe der Mann zum Schweigen gebracht werden sollen, argumentierte die Bundesanwaltschaft. Sie selbst nennt keine Namen der Opfer.

Indes hat Deutschland weitere Waffenlieferungen an die Ukraine auf den Weg gebracht. Alle aktuellen Ereignisse zum Ukraine-Konflikt finden Sie in unserem News-Ticker. (dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Yelena Afonina/Imago

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