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Details bekannt: Welche Bundeswehr-Truppen Scholz der Nato jetzt verspricht – es gibt schon ein Problem

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Auf Truppenbesuch: Kanzler Olaf Scholz (SPD) Anfang Juni bei der Bundeswehr in Litauen.
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Kanzler Scholz und Verteidigungsministerin Lambrecht fixieren auf dem Nato-Gipfel das Bundeswehr-Kontingent für die schnelle Eingreiftruppe NRF. Was die erste Hürde ist. Und was die Besonderheit.

München/Madrid - Es ist die militärisch bislang bemerkenswerteste Reaktion auf den Russland-Ukraine-Krieg. Das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato erweitert seine schnelle Eingreiftruppe von 40.000 auf rund 300.000 Soldaten. Nato Response Force (NRF) wird dieser künftige Großverband genannt. Mittendrin: die deutsche Bundeswehr.

Als Reaktion auf Russland-Ukraine-Krieg: Deutschland will Anforderungen in der Nato erfüllen

„Wir können sicherstellen, dass wir das, was wir der Nato zugesagt haben, auch stellen können“, sagte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) auf dem Gipfeltreffen der westlichen Militärallianz in Madrid. Sie erklärte im Interview mit dem ZDF: „Dazu gehört auch, dass wir zusätzliche Soldatinnen und Soldaten schicken.“ Das Signal sei: „Wir stehen zueinander und wir schützen einander.“

An diesem Donnerstag (30. Juni) legte ihr Chef, Kanzler Olaf Scholz (SPD), nach. Der deutsche Regierungschef kündigte an, dass die versprochenen Kräfte so schnell wie möglich aufgestellt werden.

Im Video: Kompakt - Die wichtigsten News zum Russland-Ukraine-Krieg

Was genau versprach seine Ampel-Regierung aber der Nato? Und wo liegt eine erste Herausforderung? IPPEN.MEDIA verschafft einen Überblick.

  • Das Heer der Bundeswehr stellt im Rahmen der Nato Response Force (NRF) eine gepanzerte Division mit 15.000 Soldaten zur Verfügung. Dabei handelt es sich wohl um eine dritte Panzerdivision des Heeres, die die Bundesregierung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine diskutierte. Dazu dürften zählen: Leopard-2-Kampfpanzer, Puma-Schützenpanzer und schwere Artillerie vom Typ Panzerhaubitze 2000. Bis 2025 soll die Division stehen. Und zwar voll ausgerüstet und nicht mit Mängeln wie bisher, wie Lambrecht in Madrid versprach.

„Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF)

Die NRF hat eine sogenannte Speerspitze. Verschiedene Mitgliedstaaten stellen jährlich eine Brigade von bis zu 5000 Soldatinnen und Soldaten, die innerhalb weniger Tage überall hin ins Bündnisgebiet verlegt werden kann. 2023 wird die Bundeswehr-Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ der Leitverband für die schnelle Eingreiftruppe sein. 

Schnelle Eingreiftruppe der Nato (NRF): Deutschland stellt 60 Flugzeuge und 20 Marineeinheiten

  • Die Luftwaffe und die deutsche Marine halten im Rahmen der schnellen Eingreiftruppe permanent 60 Flugzeuge und 20 Marineeinheiten bereit. Um welche Flugzeuge es sich handelt, um Eurofighter-Kampfjets und/oder Transportmaschinen, ist bislang nicht bekannt. Als gesichert gilt, dass Fregatten, also kleinere Kriegsschiffe, Teil der NRF sein werden. Ein weiteres Indiz: Scholz kündigte den Aufbau eines regionalen Marinekommandos in der Ostsee an.
  • Im Rahmen der NATO Enhanced Forward Presence Battlegroup wird Deutschland weitere Einheiten in Bataillonsstärke für Litauen bereitstellen. Heißt: Das bisherige Truppenkontingent wird von rund 1100 Soldaten auf das Doppelte erweitert. Mehr als 2000 Bundeswehr-Soldaten sollen dann einer Battlegroup von Brigadestärke (bis zu 5000 Soldaten) vorstehen. Bisher umfasste die multinationale Nato-Einheit im litauischen Rukla 1600 Soldaten.
Stationiert bei der NATO Enhanced Forward Presence Battlegroup: Deutsche Soldaten stehen vor einem Leopard-2-Panzer der Bundeswehr in Litauen.

Wegen Russland-Ukraine-Krieg: Nato-Soldaten der Battlegroup Litauen werden in Deutschland stationiert

  • Stationiert werden die Soldaten der NATO Enhanced Forward Presence Battlegroup Lithuania teils in Deutschland - zumindest vorübergehend. Das Problem: Litauen hat bislang nicht die militärische Infrastruktur, um so viele ausländische Soldaten samt Gerät unterzubringen. Das baltische Land verpflichtete sich umgekehrt, besagte Infrastruktur nach und nach zu verbessern.
  • Der litauische Staatschef Gitanas Nauseda erklärte zuletzt: „Unser Interesse ist natürlich, möglichst viele deutsche Truppen - und auch Truppen aus anderen Ländern - hier in Litauen stationiert zu sehen. Wir brauchen Zeit, aber wir sind wirklich entschlossen. Es gibt einen starken politischen Willen und Einigkeit zwischen allen politischen Parteien in Litauen, unsere Infrastruktur so schnell wie möglich zu verbessern.“ Dafür soll nach Angaben von Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas etwa eine halbe Milliarde Euro investiert werden.

(pm)

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