Kai Karotte

Aldi: Mega-Aufregung wegen Weihnachts-Werbung – „Noch zeitgemäß?“

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Seit 2020 präsentiert Maskottchen Kai Karotte die tollsten Aldi-Angebote zur Weihnachtszeit. In diesem Jahr bekommt er sogar Verstärkung von seiner Möhrenfamilie – und die sorgt für Mega-Aufregung:

„Endlich wieder Weihnachten – mit allem, was dazugehört“ – das ist der Titel der diesjährigen Weihnachtskampagne von Aldi*. Bereits seit dem 13. November dürfen sich Kunden wieder über tolle Angebote zur Weihnachtszeit freuen. Wieder mit dabei: Aldi-Maskottchen Kai Karotte. Der süße, kleine Möhren-Mann mausert sich 2020 zum absoluten Publikumsliebling und ist aus keinem Aldi-Prospekt und -Werbespot mehr wegzudenken. In diesem Jahr bringt Kai Karotte sogar Verstärkung mit: Zusammen mit seiner Frau Karla und den drei kleinen Babymöhren Michel, Mia und Merle zeichnet er das Bild einer perfekten Familie. Doch genau hier liegt das Problem, wie eine Redakteurin des Lifestyle-Magazins wmn. findet. HEIDELBERG24* berichtet:

DiscounterAldi
HauptsitzEssen
GründerKarl Albrecht, Theo Albrecht
Standorte11.235
Umsatz106,3 Milliarden USD (2019)

Aldi-Maskottchen Kai Karotte löst Genderdebatte aus: Die Geschichte um den kleinen Möhren-Mann

Das erste Mal ist Kai Karotte im November 2020 in der Weihnachtswerbung von Aldi zu sehen. Inspiriert von der britischen Aldi-Werbefigur „Kevin the Carrot“ führt der Karotten-Mann die Kunden durch die Weihnachtsangebote von Aldi und wird schnell zur absoluten Kultfigur. Kai Karotte ist so beliebt bei den Aldi-Kunden, dass der Riesen-Discounter ein Plüschtier von dem Möhren-Mann sowie weitere Merchandise-Artikel wie Pullover, Bettwäsche, Ausmal- und Bastelbücher auf den Markt bringt. Auch in dieser Weihnachtssaison soll Kai Karotte die Kunden mit tollen Angeboten von Aldi verzücken. Diesmal kommt er aber nicht alleine:

Mit im Gepäck sind seine Frau Karla und die drei Babykarotten Michel, Mia und Merle. In liebevoll gemachten TV-Spots dürfen Zuschauer erleben, wie Kai Karotte und seine Familie das Weihnachtsfest in diesem Jahr genießen. „Die Szenen in den Spots symbolisieren auf humorvolle Weise, was echtes Weihnachten ausmacht“, erklärt Lars Klein, Managing Director Customer Interaction and Buying bei Aldi Süd zum Launch der diesjährigen Weihnachtskampagne von Aldi.  

Jedes Familienmitglied habe Eigenarten und Marotten, die zum Fest einfach dazugehören, wie Klein weiter erzählt. So ist es laut Aldi-Homepage Kai Karottes größter Wunsch, „dass es auch für alle anderen dieses Jahr ein besonderes Fest wird“, während seine Frau Karla möglich macht, „was auch immer ihre kleine Karotten-Familie als Nächstes plant“ und die Kinder es kaum abwarten können, dass endlich Weihnachten ist. Eigentlich ganz normale Eigenschaften, die jeder von uns kennen sollte. Doch Redakteurin Mona Schäffer von wmn. hat ein gewaltiges Problem mit dieser Darstellung.

Aldi-Weihnachtskampagne 2021: Redakteurin entsetzt über Karotten-Familie – „Noch zeitgemäß?“

Wmn-Redakteurin Mona Schäffer kritisiert das traditionelle Familienbild, das durch die Weihnachtskampagne von Aldi transportiert wird. „Kai und seine Familie sind das perfekte Abziehbild des idealen Lebens“, heißt es im Artikel. Die Karotten-Familie sei zwar „wirklich niedlich“, aber die Redakteurin fragt sich, ob dieses traditionelle Rollenbild „noch zeitgemäß“ sei.

So würden heute 38 Prozent der in Deutschland geschlossenen Ehen wieder geschieden werden. Im Jahr 2019 hätten lediglich 9,4 Prozent der Familien drei Kinder gehabt, wie es bei Familie Karotte aus der Aldi-Werbung der Fall ist. Zudem würde es sich bei der Ehe von Kai und Karla Karotte um eine heterosexuelle Beziehung handeln: „Das sehen wir nicht nur an den traditionell männlichen (Kai) und weiblichen Namen. Wir sehen es auch an den Pronomen „sie“ und „er“, die Aldi zur Beschreibung der Familie nutzt“, erklärt Schäffer.

Dabei wäre „beinahe jeder sechste Mensch“ queer, heißt es im Artikel. Grund genug, um diese Gruppe auch mal in den Vordergrund zu stellen, wie wmn-Redakteurin Mona Schäffer findet. Diese Chance habe Aldi mit seiner Weihnachtskampagne verpasst. Das bedeute noch lange nicht, dass die Werbung schlecht ist. „Allerdings wäre es hin- und wieder wirklich schön zu sehen, dass von einer großen Supermarktkette, die alle Menschen gleichermaßen etwas angeht, nicht nur das traditionelle Bild reproduziert wird“, räumt Schäffer ein.

Aldi-Maskottchen Kai Karotte löst Genderdebatte aus: Twitter-Gemeinde außer sich

Im Netz sorgt der Artikel von Mona Schäffer derweil für Aufregung: Viele homosexuelle Menschen fühlen sich durch die Werbung von Aldi nicht diskriminiert. So schreibt ein User auf Twitter etwa: „Fräulein Schäffer sollte sich mal auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen! Ich bin schwul as can be und was einen Möhren-Kernfamilie so treibt, ist mir völlig wumpe!“. Ein anderer Nutzer kommentiert: „Ich bin schwul. Stockschwul. Ich fühle mich durch die Aldi-Werbung mit der Karottenfamilie ohne schwulen Karottensohn nicht diskriminiert. Was zum Teufel stimmt bloß nicht mit mir???“.

Unter den Tweets finden sich aber auch zahlreiche humoristische Beiträge, die den Artikel von wmn-Redakteurin Mona Schäffer gewaltig durch den Kakao ziehen, wie zum Beispiel der von Timo Lokoschat, stellvertretender Chefredakteur der BILD: „Next time, liebe Aldi-Marketingleute, bitte eine Patchworkfamilie aus der zweifach geschiedenen, polyamoren Karotte Karla & der genderfluiden Kartoffel Erdmuth, die sich als Artischocke identifiziert und 2 zuckersüße Erbsen mit in die Beziehung bringt. Ist doch nicht so schwer“.

Ein anderer Twitter-User fragt derweil: Hat eure Redaktionsleitung Mona Schäffer die Möhrenfamilie/Karottenfamilie nach ihren Geschlechtern und Pronomen gefragt oder hat sie einfach die gender assumed?“. Aldi hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen zu seiner Weihnachtskampagne 2021 geäußert. Bereits in der Vergangenheit sahen sich auch andere Discounter mit herbem Shitstorm wegen ihrer Werbung zu Weihnachten* konfrontiert. Andere wiederum lösen eine Diskussion um die Impfpflicht aus*. (fas) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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