Forscher entdecken Biomarker

Corona-Studie enthüllt: Besonders Warnsignal im Blut kündigt schweren Verlauf an

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Kann künftig anhand eines Bluttests bestimmt werden, ob Corona-Patienten an eine schweren Krankheitsverlauf leiden werden? Das will ein Forscher-Team aus der Schweiz nun herausgefunden haben. (Symbolfoto)
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Corona: Wer spürt kaum die Folgen einer Infektion, wer leidet unter einem schweren Krankheitsverlauf? Forscher haben nun einen Biomarker entdeckt, der diese Fragen beantworten soll.

Für die meisten Menschen verläuft eine Infektion mit dem Coronavirus milde, viele überstehen die Erkrankung glücklicherweise gar völlig ohne Symptome. Andere hingegen müssen nach ihrer Covid-19-Erkrankung jedoch intensivmedizinisch behandelt und künstlich beatmet werden. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland seit Beginn der Pandemie 85.112 Personen an oder mit Covid-19 gestorben (Stand: 11. Mai). Viele, für die der Krankheitsverlauf nicht tödlich endete, leiden jedoch auch Monate nach ihrer Corona-Infektion an Langzeitfolgen – besser bekannt als „Long Covid“

Seit mehreren Monaten suchen Wissenschaftler*innen weltweit nach Indikatoren, die schwere Covid-Verläufe frühzeitig erkennen lassen können. Forscher*innen aus der Schweiz wollen nun einen Biomarker im Blut ausgemacht haben, der genau das vorhersagen können soll. Darüber berichtet HEIDELBERG24*.

Corona-Studie: Warnhinweis im Blut – Biomarker sagt schweren Covid-Krankheitsverlauf voraus

Wer erkrankt infolge einer Corona-Infektion schwer, wer zeigt nur leichte bis gar keine Symptome auf? Auf diese Fragen wollen Schweizer Forscher*innen nun eine Antwort gefunden haben – und die findet sich in sogenannten prädikativen Biomarkern. Dabei handelt es sich um Warnsignale im Blut, anhand derer sich das Risiko vor einen schweren Covid-Verlauf vorhersagen lässt.

Gemeinsam mit Forscher*innen aus Tübingen, Toulouse und Nantes will das Team um Mediziner Burkhard Becher, seines Zeichens Professor am Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich, einen solchen Hinweisgeber entdeckt haben – nämlich die Anzahl der natürlichen Killer-T-Zellen im Blut. Das erklärte der Forschungsleiter im Deutschlandfunk. Dabei handelt es sich um eine spezielle Klasse von weißen Blutzellen und ein Teil der frühen Immunabwehr. Anhand der Anzahl ließe sich laut Becher ein schwerer Covid-19-Verlauf „mit hoher Sicherheit“ vorhersagen – „und das bereits am Tag der Aufnahme ins Spital“, so der Immunologe weiter.

Und so funktioniert‘s: Das Blut von Patient*innen wird am Tag ihrer Einlieferung ins Krankenhaus detailliert auf die Anzahl der natürlichen Killer-T-Zellen untersucht. Wenn diese gleich dann sehr weit sinkt oder gar verschwindet, lässt sich laut Forscher*innen mit einer nahezu 100-prozentigen Sicherheit ein schwerer Verlauf bei Corona-Patient*innen voraussagen.

Corona: Killer-T-Zellen Hinweisgeber auf schweren Covid-Verlauf

Doch wo genau besteht der Zusammenhang zwischen der Anzahl der Killer-T-Zellen und einem schweren Covid-Verlauf?

Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher*innen aus der Schweiz Blutproben von insgesamt 50 Covid-Patient*innen aus drei unterschiedlichen Regionen gesammelt und diese mit 25 Blutproben von Patient*innen mit anderen Arten von Lungenentzündungen verglichen. Das Ergebnis: Lediglich bei den Corona-Infizierten mit schwerem Krankheitsverlauf sank die Zahl der Killer-T-Zellen auf fast Null. Wie Becher weiter erklärt, sei das Blut eine Art Schatten von dem, was an Entzündungsreaktionen im Körper stattfinde.

Die Immunantwort bei den unterschiedlichen Lungenentzündungen seien sehr ähnlich und Teil einer Entzündungsreaktion, wie man sie häufig bei Patient*innen auf der Intensivstation sehen. „T-Zellen und natürliche Killerzellen verhalten sich bei Covid-19 jedoch einzigartig und definieren eine Art Muster im Immunsystem: die Covid-19-spezifische Immunsignatur“, so Becher weiter.

Corona-Studie: Biomarker sollen gezielte Behandlung ermöglichen

Das Forscher*innen-Team zeigt sich zuversichtlich, dass sich die Ergebnisse im großen Stile übersetzen lassen. In der Folge könnten Mediziner schneller und besser entscheiden, welche Therapiemaßnahmen bei Covid-Patienten ergriffen werden müssen, ob ein Erkrankter intensivmedizinisch oder auf der Normalstation behandelt werden muss.

Die Voraussage eines schweren Krankheitsverlaufs ist vor allem dann nützlich, wenn Intensivbetten knapp werden. Während in Deutschland die Corona-Zahlen zwar allmählich zurückgehen, müssen Mediziner in Ländern wie Indien oder Brasilien derzeit die sogenannte Triage vornehmen – sprich entscheiden, welche Corona-Patient*innen im Krankenhaus aufgenommen werden können und beatmet werden müssen. Und bei dieser schier unmöglichen Entscheidung könnte der Blutest aus der Schweiz helfen. (rob) *HEIDELBERG24 ist ein angebot von IPPEN-MEDIA.

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