Wer profitiert, wer nicht?

300 Euro Energiepauschale – wie viel Geld nach Abzug der Steuern übrig bleibt

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Im September wird die Energiepreispauschale (EPP) ausbezahlt. Doch der 300-Euro-Bonus ist nicht steuerfrei, viele werden teils gewaltige Abzüge haben.

Die Folgen von mehr als zwei Jahren Coronavirus-Pandemie, aber auch der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise sind Faktoren, die sich zum Teil massiv auf das Leben vieler Verbraucher in Deutschland auswirken – primär auf das finanzielle Budget. Sowohl in der Covid-19-Pandemie als auch in der Energiekrise wurde vonseiten der Politik deshalb versucht, die finanziellen Schäden mithilfe von Entlastungspaketen abzufedern.

Energiepauschale ist nicht steuerfrei – wie der Netto-Betrag errechnet wird

In Pandemie-Zeiten war es etwa der Corona-Bonus – in der Energiekrise das Maßnahmenpaket mit Tankrabatt, 9-Euro-Ticket sowie der Energiepreispauschale, kurz EPP. Diese Pauschale soll einmalig ab September an alle arbeitenden Menschen ausbezahlt werden – unabhängig vom Einkommen. Doch im Gegensatz zum Corona-Bonus wird die Energiepauschale nicht steuerfrei sein, sprich: Wer etwa mehr verdient, bekommt weniger.

Wie viel genau von der EPP am Ende netto auf das Girokonto überwiesen wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dabei ist das Einkommen von entscheidender Bedeutung, aber auch der Beziehungsstatus und die Steuerklasse. Wer genau wissen möchte, wie viel Energiepauschale tatsächlich netto überwiesen wird, kann das leicht über einen Brutto-Netto-Rechner ermitteln, denn die EPP wird dem Bruttolohn zugerechnet.

Gewinner, aber auch Verlierer: Energiepauschale wird teils extrem besteuert

Auf der Gehaltsabrechnung für September wird bei vielen Arbeitnehmern die Energiepauschale über den Posten „sonstige Bezüge“ ausgewiesen, was den Bruttolohn bei allen zunächst einmalig um 300 Euro erhöht. Wer diesen Betrag dann in einen Brutto-Netto-Rechner überträgt, weiß, wie viel von der Energiepauschale netto übrig geblieben ist. Hierfür einfach das übliche Nettogehalt vom errechneten Betrag abziehen.

Dabei werden so einige Arbeitnehmer nicht schlecht staunen, wie Beispielrechnungen vom Bund der Steuerzahler nahelegen, über die RTL berichtet. Ein verheirateter Arbeitnehmer mit Kind in Steuerklasse 4 und Jahresgehalt von 45.000 Euro (3.750 Euro brutto im Monat) bekäme laut der Musterrechnung 216,33 Euro Energiepauschale netto. Derselbe Arbeitnehmer, aber mit 15.000 Euro Lohn im Jahr (1.250 Euro brutto/Monat), käme auf eine EPP von 248,83 Euro.

Musterrechnung zeigt, Besserverdiener profitieren von Energiepauschale kaum

Interessant wird es, wenn der Arbeitnehmer mit 15.000 Euro Jahresgehalt nicht Steuerklasse 3, sondern 4 aufweist, denn: In diesem Fall würde er unter den steuerlichen Grundfreibetrag fallen. Er müsste somit keine Steuern zahlen und bekäme somit auch die EPP voll ausbezahlt. Die großen Verlierer sind die Besserverdiener, welche die Energiepauschale zwar auch bekommen, bei denen aber laut Musterrechnung von der EPP wenig übrig bleibt:

Gehalt (brutto) pro Jahr72.000 EUR
Gehalt (brutto) pro Monat6.000 EUR
Steuerklasse1
Familie, BeziehungSingle, keine Kinder
Energiepauschale (netto)181,80 EUR
Gehalt (brutto) pro Jahr72.000 EUR
Gehalt (brutto) pro Monat6.000 EUR
Steuerklasse4
Familie, Beziehungein Kind, verheiratet
Energiepauschale (netto)184,34

Die Musterrechnungen zeigen deutlich, dass primär das Bruttogehalt der ausschlaggebende Faktor für die Höhe der EPP ist. Kinder, aber auch die Steuerklasse spielen zwar eine Rolle, gerade bei Besserverdienern fällt das aber nicht allzu stark ins Gewicht. Von der Energiepauschale profitieren somit primär all jene, die unter den steuerlichen Grundfreibetrag fallen – entweder, aufgrund eines zu geringen Bruttogehalts oder einer besseren Steuerklasse.

Energiepauschale und Steuer – was Arbeitnehmer sonst noch beachten sollten

Auch Studierende und Rentner können von der Energiepauschale profitieren, berichtet Merkur.de, sofern sie einen Minijob haben – und somit berufstätig sind. Mit einer geringfügigen Beschäftigung (450-Euro-Basis) ist man zudem nicht steuerpflichtig, sprich: Man bekommt ebenfalls die volle Energiepreispauschale ausbezahlt. Daher lohnt es sich nachzuforschen, sollte die Energiepauschale im September nicht wie geplant ausgezahlt werden.

Auch wichtig zu wissen: Wer mehr als ein Einkommen hat, könnte im September sogar die doppelte Energiepauschale ausbezahlt bekommen. Hiervon betroffen sind primär Arbeitnehmer, die neben ihrer Hauptbeschäftigung noch als Freiberufler oder Gewerbe-Inhaber aktiv sind. Kritik an der Handhabung der Energiepauschale kommt vom Präsident des Steuerzahlerbunds, Reiner Holznagel, von wo die Musterrechnungen stammen.

Kritik an Besteuerung der Energiepauschale: „Kein wirklicher Zuschuss“

Holznagel: „Eine wirkliche Entlastung wäre es gewesen, wenn die Energiepreis-Pauschale steuerfrei wäre.“ Hier habe die Ampel-Regierung auch in der Kommunikation Fehler gemacht und falsche Erwartungen geweckt, betont der Experte im Gespräch mit RTL. Sein größter Kritikpunkt: „Auch Rentner und Selbstständige erhalten keinen wirklichen Zuschuss.“ Eine Tatsache, die auch viele User auf Facebook scharf kritisieren.

Unter einen Beitrag von HEIDELBERG24 zur Energiepreispauschale textet eine Facebook-Userin ironisch: „Wann gibt es die auf die Rente? Ich habe keine Gehaltsabrechnung mehr.“ Und wieder ein anderer User kritisiert, dass der Nettobetrag der EPP ein Tropfen auf den heißen Stein ist. „Wie soll man sich so was noch leisten – soll ich meine Kinder im Kalten sitzen lassen?“. Es gibt aber auch User, die begrüßen, dass man zumindest ein wenig finanzielle Hilfe bekommt. (jsn)

Rubriklistenbild: © Armin Weigel/dpa

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