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Essen aus der Petrischale: Gibt es künstliches Laborfleisch bald im Supermarkt?

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Fleisch aus dem Labor, statt aus dem Stall: Forschende arbeiten an künstlichem Fleisch aus der Petrischale. Ist es schon bald im Supermarkt erhältlich?

Kassel – Es sieht täuschend echt aus: künstlich hergestelltes Fleisch aus dem Labor. Schon seit Jahren arbeiten Forscherinnen und Forscher sowie Start-ups an dem Lebensmittel aus der Petrischale. Dadurch würden künftig sowohl das Tierleid als auch die Massentierhaltung und die damit einhergehende Umweltbelastung erspart bleiben.

Fleisch aus dem Labor – auch In-vitro-Fleisch oder kultiviertes Fleisch genannt – wird vereinfacht gesagt durch Gewebezüchtung hergestellt. Und schon jetzt stecken Investoren und Konzerne wie Merck oder Nestlé Millionen in den potenziellen Markt.

Fleisch aus dem Labor: Produktion ist kostspielig

Doch die Produktion ist teuer. 2013 testete eine Restaurant-Kritikerin einen Burger mit Hackfleisch aus dem Labor. Die Produktion soll laut quarks.de rund 250.000 Euro gekostet haben. Seitdem soll der Preis für ein Patty auf etwa 45 Euro gefallen sein. Einer Studie der gemeinnützigen Organisation The Good Food Institute zufolge, könnte ein wettbewerbsfähiger Preis bis 2030 erreicht werden. Zudem beziffert die Organisation die Investitionen in Laborfleisch im vergangenen Jahr auf rund 300 Millionen Euro.

Künstliches Fleisch aus dem Labor von Professor Mark Post der Universität Maastricht bei einer Produktpräsentation in London.

Wie Thomas Herget, Leiter der Innovation Hubs von Merck in Kalifornien und China, erwartet, könnte der Fleischmarkt in Zukunft dreigeteilt sein. Bei einem Drittel könnte es sich um konventionelles Fleisch aus Schlachtungen handeln, ein Drittel soll pflanzenbasiert sein und ein weiteres aus dem Labor kommen.

Merck KGaA
Sitz Darmstadt
Gründung1668
Anzahl der Mitarbeitenden58.096

Künstliches Fleisch aus dem Labor: „Wir befinden uns in einer Pilotphase“

Für das Laborfleisch wird Tieren eine kleine Gewebeprobe aus dem Muskel entnommen. Diese wird im Labor kultiviert und soll neue Muskelzellen bilden. Das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck bietet beispielsweise Geräte für die Zellkultivierung an, die die Zellen zum Wachsen benötigen. Auch Nestlé prüft derzeit innovative Technologien, um kultiviertes Fleisch oder Zutaten dafür zu produzieren. 

Doch bis das Laborfleisch seinen Weg in die Supermarktregale findet, wird es noch einige Zeit dauern. „Wir befinden uns in einer Pilotphase in einem noch kleinen Markt“, erklärt Herget. Die Produktion von Hackfleisch erscheint dabei weniger kompliziert, da hier Gewebestücke miteinander zusammengemischt werden.

Laborfleisch im Supermarkt? Experte schätzt fünf bis zehn Jahre

Bei Steaks oder Filet sieht das anders aus. Hier müssen unterschiedliche Herausforderungen bewältigt werden. Das Gewebe muss beispielsweise dreidimensional entlang einer Struktur wachsen, die einem Skelett nahekommt. Diese muss gleichzeitig lebensmittelverträglich sein. „Das ist quasi der Heilige Gral des kultivierten Fleischs“, sagt Herget. Bis Verbraucher also massentaugliches Laborfleisch im Supermarkt finden, „dürften fünf bis zehn Jahre vergehen“, so Herget. Auch Milchprodukte könnten künftig aus dem Labor stammen. Ein US-Unternehmen Kuhmilch ohne Kuh produzieren.

Umwelt- und Tierschützer befürworten kultiviertes Fleisch schon jetzt. „Prinzipiell ist es zu begrüßen, wenn für Fleisch keine Tiere sterben müssen und Umweltschäden begrenzt werden“, sagt Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace. Bislang fehle mehr Transparenz bezüglich der Klimabilanz sowie der Einsatz von Antibiotika für die sterile Umgebung der Zellkulturen.

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Fleisch aus dem Labor verbraucht weniger Emissionen und Wasser

Forscherinnen und Forscher der Universität Amsterdam und Oxford schätzen bereits jetzt, dass Laborfleisch im Vergleich zu konventionellem Fleisch die landwirtschaftlichen Emissionen um 78 bis 96 Prozent senken könne, 99 Prozent weniger Flächen benötige und 82 bis 96 Prozent weniger Wasser.

Erst kürzlich deckten Analysen einen Fleisch-Skandal bei Aldi und Lidl auf. Die Tests zeigen beunruhigende Ergebnisse. Dabei planen Discounter künftig eine Revolution. Billig-Fleisch soll bis 2025 aus dem Sortiment bei Aldi* fliegen. (kas) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © David Parry/Pa Wire Handout/dpa

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