Umstrittenes Pigment

Lipgloss im Öko-Test: Note 6! Hälfte der Produkte versagt komplett

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Öko-Test hat insgesamt 16 Lipglosse getestet: Das Ergebnis ist erschreckend. (Symbolfoto)
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Öko-Test hat 16 rote Lipglosse untersucht. Das Ergebnis ist erschreckend: Die Hälfte der Produkte fällt mit der Note 6 durch. Diese bekannten Lipgloss-Marken sollten besser nicht aufgetragen werden:

Lipgloss ist eine ideale Alternative zu deckendem Lippenstift. Er verleiht den Lippen Glanz und lässt sie frisch und gepflegt aussehen. In einer Umfrage aus dem Jahr 2019 geben rund 16 Prozent der befragten Frauen in Deutschland an, mehrmals die Woche Lipgloss zu benutzen. Öko-Test* hat sich das beliebte Make-up-Produkt jetzt einmal genauer angeschaut und kommt dabei zu einem erschreckenden Ergebnis: Die Hälfte der getesteten Produkte fällt knallhart durch! Grund dafür sind das umstrittene Farbpigment Titandioxid sowie weitere Schadstoffe, die in den Lipglossen enthalten sind. HEIDELBERG24* verrät, mit welchen bekannten Lipgloss-Marken die Lippen besser nicht geschminkt werden sollten:

MagazinÖko-Test
Erstausgabe1985
HauptsitzFrankfurt

Lipgloss im Öko-Test: Von diesen bekannten Marken sollten Verbraucher die Finger lassen

Öko-Test hat insgesamt 16 Lipglosse in der Farbe Rot ins Labor geschickt, darunter sieben zertifizierte Naturkosmetik-Produkte. Die Hälfte der getesteten Produkte wurde mit der Note „ungenügend“ ausgezeichnet. Lediglich drei erhalten die Note „sehr gut“. Bei allen drei Produkten handelt es sich um Naturkosmetika, die weder den Problemstoff Titandioxid noch andere Mängel aufzeigen. Die mit „sehr gut“ ausgezeichneten Lipglosse sind:

  • „Alverde Jelly Pudding Lipgloss“ (40 Addicted to red) von dm
  • „Benecos Natural Lipgloss“ (Kiss Me) von „Cosmondial“
  • „Dr. Hauschka Lip Gloss“ (04 Goji) von „Wala“

Zwar weisen die genannten Produkte keine Schadstoffe auf, zählen aber zu den teureren Liplossen: So kostet der „Dr. Hauschka Lip Gloss“ von „Wala“ satte 15 Euro für 4,5 Milliliter. Der „Alverde Jelly Pudding Lipgloss“ von dm ist mit 2,95 Euro für 10 Milliliter noch am günstigsten, der „Benecos Natural Lipgloss“ von „Cosmondial“ mit 3,99 Euro für nur 5 Milliliter schon deutlich teurer.

Aber auch Naturkosmetika können Titandioxid enthalten: Vier Naturkosmetik-Produkte wiesen den schädlichen Stoff auf und wurden deshalb mit der Note „befriedigend“ bewertet. Für den Inhaltsstoff Titandioxid wurden im Öko-Test ganze zwei Notenpunkte abgezogen, so auch für den „Trend it up Oil Care & Color Lipgloss“ (020 Rot) von dm, der im Endergebnis nur noch „befriedigend“ erhält.

Am schlechtesten fällt das Ergebnis für acht der getesteten Lipglosse aus: Sie bekommen allesamt „unbefriedigend“ und sind der Verlierer im Öko-Test. Es handelt sich dabei um konventionelle Produkte, die neben Titandioxid noch weitere Schadstoffe aufweisen. Zu ihnen zählen unter anderem:

  • „Catrice Volumizing Lip Booster“ (140 Rose-wood Hills)
  • „Essence Extreme Shine Volume Lipgloss“ (103 Pretty in Pink)
  • „L‘Oréal Brilliant Signature Plump-in-Gloss“ (Inflate 410)
  • „Manhattan High Shine Lipgloss“ (350)
  • „Maybelline Lifter Gloss“ (009 Topaz)

Lipgloss im Öko-Test: Titandioxid in vielen Produkten – so schädlich ist der Inhaltsstoff

Laut Definition von Öko-Test handelt es sich bei Titandioxid um ein weißes Farbpigment, das bei Lipglossen für Deckkraft und satte Töne sorgt. Noch bis vor ein paar Jahren galt der Stoff, der auch als Zusatzstoff in Lebensmitteln verwendet wird, als „völlig unbedenklich“. Im Mai 2021 bewertet die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Risiken von Titandioxid nach Sichtung von rund 200 Studien jedoch neu und stuft den Stoff als „nicht mehr sicher“ ein.

Laut EFSA soll Titandioxid eine erbgutschädigende Wirkung haben, welche bei der Aufnahme mit dem Mund nicht ausgeschlossen werden könne – so auch beim Lipgloss. Wie Öko-Test berichtet, hat das EU-Gremium für Verbrauchersicherheit SCCS errechnet, dass Verbraucherinnen sich täglich bis zu 57 Milligramm Schminke von den Lippen ablecken, weswegen Titandioxid im Test deutlich strenger bewertet wurde als in anderen Kosmetikprodukten.

Laut Angaben von Öko-Test hat die EU-Kommission beschlossen, Titandioxid ab 2022 als Zusatzstoff in Lebensmitteln zu verbieten. Wer den bedenklichen Stoff meiden möchte, dem rät RUHR24* in der Inhaltsstoffe-Liste auf die entsprechende Bezeichnung „CI 77891“ zu achten.

Öko-Test untersucht 16 Mal Lipgloss: Neben Titandioxid – weitere Schadstoffe festgestellt

Weitere Problemstoffe, die in den Lipglossen identifiziert werden konnten, sind die beiden gesundheitsbedenklichen Azofarbstoffe Tartrazin (CI 19140) und Gelborange S (CI 15985), die Hautirritationen oder sogar Asthma und Neurodermitis auslösen können. Darüber hinaus enthalten viele Produkte Paraffine, welche sich in Organen anreichern können. Eine konventionelle Lipgloss-Marke war zudem mit potenziell krebserregenden Mineralölbestandteilen (MOAH) verunreinigt.

Erst kürzlich hat Öko-Test verschiedene Handcremes untersucht*. Auch hier können bekannte Marken nicht überzeugen. Weitere in der Vergangenheit getestete Kosmetikprodukte sind etwa Gesichtscremes* oder Aftershave*. (fas) *HEIDELBERG24 und RUHR24 sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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