Supermärkte

Der Lebensmittel-Einkauf wird immer teurer

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Die Verbraucher müssen für Lebensmittel immer tiefer in die Tasche greifen.

Als würden die explodierenden Energiepreise nicht schon reichen: Auch bei Lebensmitteln müssen Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Führende Supermarktketten kündigen bereits weitere Preiserhöhungen an.

Berlin - Nicht nur an der Tankstelle und auf der Heizkostenrechnung ist der Blick auf die Preise für viele Verbraucher ein Schock. Auch Lebensmittel werden immer teurer, nicht zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs. Ein Ende ist nicht absehbar - im Gegenteil. Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick.

Supermarktketten kündigen Preiserhöhungen an

Beim Discount-Marktführer Aldi werden bereits am Montag abermals Fleisch, Wurst und Butter „deutlich teurer“, wie Aldi-Nord-Kommunikationschef Florian Scholbeck der dpa sagte. Grund hierfür sei, dass Lieferanten höhere Preise verlangen. Zuvor hatte die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ darüber berichtet.

Der Zeitung zufolge sieht sich auch Aldi Süd veranlasst, die Preise anzuheben. Aldi hatte bereits vor zwei Wochen die Preise für etwa 160 Artikel erhöht, eine Woche später verteuerten sich 20 weitere Artikel.

Das Vorgehen des Discounters ist auch deshalb von Bedeutung, weil sich im Preis-Einstiegssegment erfahrungsgemäß viele Händler an den Preisen von Aldi orientieren. So hat auch der Handelsriese Rewe mit seiner Discounttochter Penny für einzelne Warengruppen und Artikel höhere Preise angekündigt. Ein Sprecher der Rewe Group betonte, dass man nur dort die Preise anheben werde, wo es tatsächlich einen „hohen Kostendruck“ gebe.

Von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka hieß es, aufgrund der aktuellen Situation auf den Weltmärkten ließen sich steigende Verkaufspreise in der gesamten Branche nicht immer vermeiden. Die Schwarz-Gruppe mit den Ketten Lidl und Kaufland teilte mit, grundsätzlich keine Angaben zur Preisentwicklung zu machen.

Laut einer jüngst veröffentlichten Befragung des Ifo-Instituts planen fast alle Firmen aus Deutschlands Nahrungs-Einzelhandel Preiserhöhungen. „Wir werden das zeitnah überall in den Supermärkten an den Preisschildern sehen können“, sagte Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Die Gründe für die steigenden Preise

Eine große Rolle spielen die Folgen des Ukraine-Kriegs. Aber schon vor Kriegsausbruch seien im Handel die Preise „über die Produktpalette hinweg“ um gut fünf Prozent gestiegen, sagte Sanktjohanser. Grund waren die gestiegenen Energiekosten.

Mit dem Krieg hat sich die Situation noch verschärft. „Seit Beginn des Ukraine-Krieges gibt es Sprünge bei den Einkaufspreisen, die wir so noch nicht erlebt haben“, sagte Aldi-Kommunikationschef Scholbeck.

Die „Wirtschaftsweise“ Veronica Grimm verwies als Ursachen für steigende Lebensmittelpreise etwa auf die Kosten von Düngemitteln aufgrund der hohen Gaspreise. Dies verknappe die weltweite Agrarproduktion. „Hinzu kommt noch, dass Agrarexporte aus der Ukraine und aus Russland in einem signifikanten Umfang ausfallen werden.“ Russland und die Ukraine zählen bisher auf dem Weltmarkt zu den wichtigsten Exporteuren von Weizen, Mais und Ölsaaten wie Raps.

Was Bauern zu den Preiserhöhungen sagen

Der Bauernverband begrüßt die höheren Preise in Supermärkten. „Jetzt kommt es auch darauf an, dass das Geld nicht in der Vermarktungs- und Verarbeitungskette hängenbleibt, sondern auch auf den Betrieben ankommt“, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken. Die von Aldi vorgesehenen Erhöhungen seien ein überfälliges Signal. Sie spiegelten nicht nur Marktverwerfungen und Kostensteigerungen in der Erzeugung wider, sondern auch erste Kosten des Umbaus der Branche zu mehr Nachhaltigkeit. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte, die Versorgung mit Lebensmitteln sei absehbar für ein Jahr gesichert. „Aber über diesen Zeithorizont hinaus ist es schwierig mit einer Prognose.“

Keine Einigung bei Umgang mit Brachflächen

Die Agrarminister von Bund und Ländern haben sich bisher nicht über eine gemeinsame Linie im Umgang mit „ökologischen Vorrangflächen“ einigen können. Die unions- und SPD-geführten Länder plädieren dafür, die Brachflächen temporär auch für den Anbau für Lebensmittel freizugeben. Die EU-Kommission hatte angesichts drohender Nahrungsmittelengpässe den Weg für eine zeitweise Bewirtschaftung frei gemacht.

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) und die Grünen-Agrarminister der Länder lehnen dies ab. Sie sehen darin ein Ausspielen der Krisen gegeneinander. Sie wollen auf den Flächen lediglich den Anbau von Futtermitteln erlauben. Özdemir verwies darauf, dass das zusätzliche Ertragspotenzial Berechnungen zufolge nur bei 0,6 Millionen Tonnen läge bei einer Getreideernte von 45 Millionen Tonnen. Er betonte, es gebe keinen Anlass für Hamsterkäufe.

Wie es nun mit den Preisen weitergeht

Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts mussten die Menschen in Deutschland im März 6,2 Prozent mehr für Nahrungsmittel ausgeben als im Vorjahresmonat. Und es werde an der Supermarktkasse erst einmal keine anhaltende Abwärtsbewegung mehr geben, sagte Sanktjohanser. „Die zweite Welle an Preissteigerungen kommt, und die wird sicherlich zweistellig.“ Auch Grimm rechnet mit weiter steigenden Lebensmittelpreisen.

Die Spitzenverbände von Handel und Agrarbranche tauschen sich auf Ebene der Zentrale Koordination Handel - Landwirtschaft (ZKHL) über Folgen des Ukraine-Krieges aus. ZKHL-Geschäftsführer Hermann-Josef Nienhoff sagte, die aktuelle Welle der Preissteigerungen sei bei den Verbrauchern noch nicht angekommen.

Die Lage der Verbraucher

Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht Handlungsbedarf. „Für einkommensschwache Haushalte wird es immer schwieriger, sich ausgewogen und gesund zu ernähren“, hieß es von einer Sprecherin. Die Verbraucherschützer fordern daher unter anderem eine Anhebung des ernährungsbezogenen Satzes bei Transfereinkommen wie beim Arbeitslosengeld II sowie eine Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Die Bundesregierung erklärte, generell würden alle Marktentwicklungen beobachtet - und verwies auf das gerade beschlossene zweite Entlastungspaket in Milliardenhöhe. dpa

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