Kreml fördert Klone

Ukraine-News: Nivea, Dior, Audi und BMW – Russen kapern westliche Marken

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Ein Mann geht in Moskau an einer geschlossenen Gucci-Boutique vorbei. Russische Unternehmer wollen sich offenbar westlicher Marken bemächtigen. (Symbolbild)
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Die meisten westlichen Firmen haben sich wegen des Ukraine-Krieges aus Russland zurückgezogen. Nun wollen sich russische Unternehmer offenbar westlicher Marken bemächtigen.

Moskau - Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs* und des Rückzugs westlicher Firmen aus Russland hat der Kreml immer wieder ausländischen Unternehmen gedroht. Duma-Chef Wjatscheslaw Wolodin träumte schon im März von einer McDonald‘s-Kopie namens „Onkel Wanja“.

Das Logo, das dazu in den sozialen Medien kursierte, erinnerte auch stark an das Logo des US-amerikanischen Fastfood-Riesen. „Onkel Wanja“ solle dann nach dieser Vorstellung auch in den geschlossenen Filialen von McDonald‘s residieren. Passiert ist bisher nichts. Doch die Botschaft ist klar: Westliche Marken sollen durch russische Kopien ersetzt werden.

Ukraine-News: Anträge für Nivea, BMW und Audi in Russland

Russische Geschäftemacher wittern jedenfalls schon neue Chancen, berichtet das Handelsblatt. Anträge für dutzende westliche Marken seien im März bei Rospatent eingegangen. Rospatent ist die russische Behörde für die Durchsetzung der Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums. Anträge gäbe es unter anderem für Nivea, BMW*, Dior und Mastercard.

Die Unternehmer wollen dann laut dem Magazin zum Beispiel unter der Marke Audi Reinigungsmittel und Parfums verkaufen. Andere bleiben ihrem Vorbild inhaltlich treuer: So soll die Marke „Idea“ wie ihr schwedisches Vorbild Ikea Möbel anbieten. Geplant seien laut Handelsblatt auch NeZpresso-Produkte - in Anlehnung an die beliebten Nespresso-Kaffeemaschinen. Noch hat die Behörde die Anträge aber nicht durchgewunken.

Ukraine-Krieg: Kreml fördert Klone wie etwa „Rossgram“

Im digitalen Bereich sind die Kopien allerdings schon in vollem Gange: Der Kreml hat kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges die sozialen Netzwerke im eigenen Land für die Russen unzugänglich gemacht - und braucht nun Alternativen.

Nun gibt es seit einigen Tagen ein russisches Instagram-Äquivalent, wie ntv berichtet: „Rossgram“. Das Design und der Aufbau des Feeds wie auch des Profils seien absolut identisch. Ein Unterschied: Es wird bei „Rossgram“ natürlich auf Telegram statt auf Facebook verwiesen. Andere russische Social-Media-Klone wie die App Yappy, die TikTok nachahmt, sind schon länger im Einsatz.

Nun bleibt abzuwarten, ob es in Russland bald - fast wie zu Zeiten des eisernen Vorhangs - wieder Kopien westlicher Marken geben wird. Und wie mit den Filialen und Produktionsstätten westlicher Firmen in Russland verfahren wird.

Obi verkauft Baumärkte nach Rangeleien mit russischer Führung

Die zum deutschen Tengelmann-Konzern gehörende Baumarktkette Obi hat nach großen Problemen bei der Schließung der Filialen in Russland schon die Reißleine gezogen - und ihre russische Tochtergesellschaft an einen russischen Investor verkauft. Das berichtete die Nachrichtenagentur Tass am Dienstag unter Verweis auf den zuständigen Anwalt, Dmitri Galanzew. Der Name des Investors und der Kaufpreis wurden zunächst nicht genannt.

Die deutsche Obi-Leitung hatte im März die dauerhafte Schließung der Filialen in Russland verkündet. Russische Medien berichteten daraufhin von einem „schweren Konflikt zwischen der russischen Obi-Führung und dem deutschen Mehrheitsaktionär“. Demnach waren die Geschäfte in Russland nach der verkündeten Schließung noch mehr als eine Woche lang geöffnet geblieben.

Im März hatten die russischen Behörden eine „strenge Kontrolle“ der ausländischen Firmen angekündigt, die wegen des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine ihre Tätigkeiten eingestellt haben. Ohne das Wort „Verstaatlichung“ in den Mund zu nehmen, hatte sich Präsident Wladimir Putin dafür ausgesprochen, „externe“ Verwalter einzusetzen, „um (die Unternehmen) denen zu überlassen, die sie betreiben wollen“.

Obi betrieb demnach noch bis Mitte März 27 Baumärkte in Russland. Das Russland-Geschäft stand nach Haubs Angaben für weniger als fünf Prozent des Umsatzes und bereits seit der Krim-Krise sei es immer schwieriger, geworden, dort erfolgreich zu sein. „Ich bin nun froh, dass damit das Kapitel für uns beendet ist.“ Mit Material der dpa *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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