Krieg in der Ukraine

Steigende Energiepreise: DIHK warnt vor Kostenexplosion

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Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnt wegen stark gestiegener Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs vor einer Kostenexplosion für Firmen.

Die Energiepreise waren schon vor dem Ukraine-Krieg hoch. Viele Unternehmen haben deshalb mit der Strom- und Gasbeschaffung noch gewartet. Dann kam der Krieg - und mit ihm wurde Energie noch teurer.

Berlin - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnt wegen stark gestiegener Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs vor einer Kostenexplosion für Firmen. Der DIHK forderte die Bundesregierung zu kurzfristigen Stabilisierungsmaßnahmen auf.

Viele Firmen stehen nach DIHK-Angaben aktuell vor einem Dilemma. Jedes zweite Unternehmen müsse seine Strom- und Gasversorgung für das laufende Jahr noch vertraglich absichern, erklärte der DIHK der Deutschen Presse-Agentur unter Verweis auf eine aktuelle Firmenbefragung. „Damit steht jedes zweite Unternehmen vor einer Kostenexplosion, die kaum aufzufangen ist“, so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Bei Ausbruch des Krieges hatte die Hälfte der Unternehmen ihre Strom- und Gasbeschaffung für das laufende Jahr noch nicht abgeschlossen, hieß es unter Verweis auf 2000 Rückmeldungen von Unternehmen aus allen Branchen.

Dercks: Abschaffung der EEG-Umlage sei wichtiges Singal

Die hohe Zahl erkläre sich daraus, dass viele Unternehmen auf Grund der bereits extrem hohen Preise der letzten Monate abgewartet oder Lieferverträge nur für kurze Zeiträume abgeschlossen haben. In der Vergangenheit hätten viele Betriebe einmal im Jahr für die kommenden zwölf Monate beschafft. „Das hat sich durch die aktuelle Preisspirale deutlich verändert“, so Dercks. Ein mittleres Unternehmen aus der Glasindustrie habe 2015 im Schnitt noch 100.000 Euro pro Monat für seine Energieversorgung bezahlt. Aktuell sei dafür der fünf- bis sechsfache Betrag fällig, manchmal sogar noch mehr.

Die geplante vorgezogene Abschaffung der EEG-Umlage über die Stromrechnung zum 1. Juli 2022 sei ein wichtiges Signal. „Sie kann aber nur einen Bruchteil der höheren Beschaffungskosten ausgleichen“, sagte Dercks. „Nötig sind jetzt kurzfristige Stabilisierungsmaßnahmen, etwa eine Absenkung der staatlichen Umlagen und der Stromsteuer zusammen mit zinsgünstigen KfW-Krediten oder sogar direkten Notfallzahlungen. Mittelfristig brauchen wir Lösungen, um die Höhe der Energiekosten in Deutschland auf einem wettbewerbsfähigen Niveau zu halten.“

Vermehrtes Interesse an Direktlieferverträgen für Grünstrom

Die aktuellen Preisexplosionen treffen laut DIHK die deutschen Industriebetriebe stärker als ihre internationalen Wettbewerber. Schon vor dem Angriff auf die Ukraine hätten die deutschen Mittelständler in Europa die höchsten Strompreise bezahlen müssen. Viele Firmen hätten in den vergangenen Monaten bereits nach Auswegen aus dieser Krise gesucht. Wo irgend möglich sei die Beschaffungsstrategie bereits verbessert worden. Mehr als 70 Prozent der Unternehmen hätten auch Interesse an langfristigen Direktlieferverträgen für Grünstrom. dpa

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