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Digitalisierung. So gehen Unternehmen und Privatpersonen damit um

Unterschieden wird bei der Digitalisierung meist in den Umgang, den Privatpersonen mit dem Thema pflegen und den Umgang, den Unternehmen gehen. Beim Stichwort Digitalisierung scheiden sich die Geister, obgleich das Wissen bereits fest verankert ist, dass die digitale Welt die Welt der Zukunft ist. Wer sie nutzt, inwiefern und wo es Probleme und Nachholbedarf gibt, verrät dieser Beitrag.

Im Privatbereich ist vor allem Umdenken gefragt

Wer jetzt einsteigt und sich aufmacht, um sein Leben zu digitalisieren, der hat eine 50:50-Chance, diesen Ansatz auch umsetzen zu können. Einerseits gibt es viele analoge Helfer, die bereits nahtlos in die Hände ihrer digitalen Clone führen, zum anderen fühlt es sich an wie beim Sport: Es gilt, den inneren Schweinehund zu überwinden. Und diese Umdenkphase kann bereits mit kleinen Verhaltensänderungen im Alltag funktionieren:

  • Anstatt dem Partner, dem Kind oder dem Nachbar einen Post-it an Kühlschrank, Haustür oder Schreibtisch zu kleben, darf es an dieser Stelle die digitale Erinnerungsfunktion sein. Das spart einerseits Papier und kommt eher beim Empfänger an als das klebende Papierchen.
  • Der digitale Einkaufszettel spart nicht nur Papier, sondern fördert auch die Effizienz im Haushalt. Wird alles, was im Haushalt benötigt wird, regelmäßig eingetippt, erleichtert das den Wocheneinkauf. Zudem reduziert es unnötige Fahrten zum Einkaufen.
  • Nachdem Wohnraum teuer und immer kleiner wird – bestes Beispiel hierfür sind die Tiny Häuser, die mittlerweile immer häufiger zu sehen sind –, sollen im besten Fall auch sinnlose Papierberge im Büro möglichst reduziert werden. Das funktioniert dann besonders gut, wenn Unterlagen, die im Haus eintreffen, digitalisiert und – gut verschlagwortet – digital abgelegt werden.
  • Zudem kann der Konsum digitalisiert werden. Wie das funktioniert? Durch Bücher auf dem Tablet und das digitale, papierlose Zeitungsabo. Das E-Paper erhält für alle traditionellen Zeitungsleser dann das Gefühl, in der Zeitung zu „blättern“.

Welche Wünsche die Menschen aus Aalen an die Digitalisierung richten, hat die Hochschule im Rahmen eines Studienprojekts dokumentiert.

Auf die Digitalisierung eingelassen – Medien und Banken sind die Vorreiter

Die Medienbranche ist führend, wenn es um die Einführung und Umsetzung von Digitalstrategien im Betrieb geht. Auch Banken haben branchentechnisch die Nase vorn. Da verwundert es auch, dass gerade Versicherungen zu den Branchen gehören sollen, die das Schlusslicht im Digitalisierungsranking darstellen sollen, wie es in einem Fachbericht zum Thema heißt. Ebenfalls weit abgeschlagen sollen die Automobilindustrie und der Gesundheitssektor sein. Obgleich Medienhäuser und Banken gut abschneiden, ruhen sie sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern haben sich aufgemacht, um den nächsten Schritt zu gehen: Hier steht die Umsetzung von Prozesssteuerungen und der Einsatz zeitgemäßer Technologien auf dem Strategieplan, was auch bedeutet: Die Wettbewerbsstrategie kann ebenso Änderungen unterliegen wie interne Abläufe und Strukturen.

Ein Blick in die Unternehmen zeigt noch ein deutlicheres Bild. Digitalisierung setzt zunächst genau dort an, wo es um klassische Papierwelten geht: im Controlling und im Personalwesen. 60 Prozent der Unternehmen haben ihre Verwaltung bereits digitalisiert. Dass es vor allem Traditionsunternehmen schwer haben, die Umstellung auf ein digitales Geschäftsleben zu praktizieren, liegt meist nicht am großen Gesamtkonzept, sondern an Details.

Ein Beispiel: Bewerbungen treffen heute im Personalbereich online ein

… und werden auch weiter verarbeitet. Zwischen der digitalen Initiativbewerbung und dem Online-Bewerbungs-Tool, das die Daten der Bewerber so abfragt, dass anschließend ein direkter Match zu freien Stellen möglich ist, liegen in der Regel eine Unternehmergenerationen. Die Weiterverarbeitung der Unterlagen – die im Idealfall mit einer Einladung zum Bewerbungsgespräch, Gehaltsverhandlungen und der Vertragsunterzeichnung endet – ist in vielen Betrieben jedoch noch klassisch analog geprägt.

Das bedeutet: Den Vertrag gibt es in ausgedruckter Form. Über der Unterschrift des Geschäftsführers wird ein Firmenstempel platziert. Ob dieser aus dem klassischen Portfolio der Text- und Logostempel stammt, ob es sich um einen Holzstempel handelt oder ob bereits hier ein Stempel mit selbst aufgespieltem Firmenlogo Anwendung findet, zeigt, wie digital die Details im Betrieb sind. Für den Bewerber sorgt diese analoge Form der Datenaufbereitung übrigens für Erleichterung, denn der haptisch verfügbare Vertrag ist das, was ihm ein Gefühl von Sicherheit vermittelt und die Sicherheit, dass er nun ganz „offiziell“ neuer Mitarbeiter der Firma ist.

Großer Umstieg oder Schritt-für-Schritt?

Diese Entscheidungen müssen Startups sich nicht stellen. Auch digitale Nomaden, die schon längst den Aktenschrank eingetauscht haben gegen einen zuverlässigen Server, der von überall in der Welt aus verfügbar ist, haben sich meist schon voll und ganz auf die digitale Arbeitswelt eingelassen. Genügend Dienstleister, die bei der digitalen Unternehmensführung helfen, gibt es mittlerweile ohnehin.

Wer nicht die digitale Unterschrift unter der Gewerbeanmeldung platziert hat, sondern in der analogen Welt gestartet ist, muss sich als Unternehmer eine Strategie überlegen, wenn der Weg auf die Digitalisierungs-Autobahn führen soll. In der Realität ist jedoch die Diskrepanz zwischen Idee und Umsetzung groß. Doch woran liegt’s? In vielen Betrieben ist die Digitalisierung der Lieferkette ein Top-Thema auf der To-Do-Liste. Der Grund: Kosteneinsparungen, steigende Umsätze und die passgenaue Umsetzung des Geschäftsmodells sind die Erwartungen, die Unternehmen an die Digitalisierung knüpfen.

Die Praxis bringt jedoch Ernüchterung mit sich, denn: Die Theorie ist gut, die Umsetzung ist schwierig. 86 Prozent der im Rahmen einer Studie befragten Unternehmen stecken in der Testphase fest. Von 29 Projekten, die die Lieferkette digitalisieren sollten, kommen final nur 1,4 Projekte in der Praxis zum Einsatz. Experten erklären, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit und auch für die Vorteile wachse, aber es fehle in der Praxis am strukturellen Umdenken und/oder an der IT-Infrastruktur, die die Grundlage der Digitalisierung bildet.

Abbildung 1: pixabay.com © geralt (CC0 Public Domain)

© Gmünder Tagespost 06.03.2020 16:55
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Tobias Ehmke

Das Versorgungsunternehmen in dem ich arbeite hat jetzt auch endlich auf digitale Abläufe umgestellt. Meines Erachtens hätte das schon früher erfolgen müssen, wenn man mit der Konkurrenz mithalten will. Also erstmal einen Rootserver angeschafft, welchen genau wir genutzt haben steht auf echteerfahrungen.de und sämtliche Bestände digitalisiert und hochgeladen. Im Alltag begrüße ich Digitalisierung auch sehr, da es viele Ressourcen und Zeit spart (Stichwort Papierverbrauch und lange Anfahrtswege).

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