164 Millionen suchen Jobs im Ausland

Zwei Drittel der Menschen leben in Ländern mit hohen Einkommen.
Die Zahl der Arbeitsmigranten wächst weltweit. Im vergangenen Jahr arbeiteten nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 164 Mio. Menschen in fremden Ländern. Ein Anstieg von 9 Prozent in vier Jahren. Zwar machen sie in Ländern mit hohen Einkommen fast ein Fünftel der Erwerbstätigen aus, aber ihre absolute Zahl ist dort seit 2013 zurückgegangen: von gut 112 auf gut 111 Millionen. Mehr Migranten zögen in Länder mit mittleren Einkommen.

Die ILO ist Teil der Vereinten Nationen und setzt sich für soziale Gerechtigkeit und die Rechte von Arbeitnehmern ein. Die statistischen Angaben sollen helfen, den UN-Migrationspakt, der nächste Woche in Marokko verabschiedet werden soll, erfolgreich umzusetzen, sagte die ILO-Spezialistin für Arbeitsqualität, Manuela Tomei. Die USA, Österreich und andere Länder distanzieren sich von dem Pakt mit dem Argument, daraus könnten Migranten unerwünschte Ansprüche ableiten.

„Arbeitsmigranten leisten einen positiven Beitrag in den Gastländern“, sagte Tomei. Ihr genauer Beitrag zur Wertschöpfung sei aber nicht Fokus des Berichts gewesen. Die Gesamtzahl der Migranten, also auch Angehörige, die nicht arbeiten, sowie Flüchtlinge, schätzt die ILO auf 277 Millionen weltweit. Das sind fast 20 Prozent mehr als 2013. Laut den ILO-Statistikern ist ein geringer Teil des Anstiegs auch auf bessere Daten zurückzuführen.

Laut dem Bericht leben mehr als zwei Drittel (67,9 Prozent) der Arbeitsmigranten in Ländern mit hohen Einkommen. 2013 war der Anteil noch höher: 74,7 Prozent. Heute leben fast 24 Prozent von ihnen in Nord-, Süd- und Westeuropa, 23 Prozent in Nordamerika und knapp 14 Prozent in arabischen Staaten. Viele arbeiteten auf dem Bau, als Hausangestellte im Gastgewerbe und Pflegeberufen, so Tomei. In Europa dürfte der Anteil auch wegen der EU-Freizügigkeit so hoch sein: Jeder Europäer, der in einem anderen EU-Land arbeitet, ist für die ILO ein Arbeitsmigrant.

Weltweit seien 4,7 Prozent aller Arbeitnehmer Arbeitsmigranten. In der Europa-Region machten sie 17,8 Prozent der Erwerbstätigen aus, in Nordamerika 20,6 Prozent und in den Arabischen Staaten 40,8 Prozent. Gut 58 Prozent sind Männer.

Arbeitsmigranten sind für die ILO alle Menschen, die in einem anderem Land Arbeit haben oder suchen. Dazu gehören Saisonarbeiter wie Erntehelfer und Fachkräfte wie Pflegepersonal oder IT-Spezialisten. Sie zählt auch Flüchtlinge dazu und hat Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere berücksichtigt. dpa
© Südwest Presse 06.12.2018 07:45
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